Xavier Naidoo und die Medien

Die Xavier-Naidoo-Schocktherapie

Die preisgekrönte Reportage

»Wie heißt der Mann? Naidoo? Nie gehört!” Es herrscht Hektik bei W-Online. Till Niemann, Chef vom Dienst, geht mit dem Team aktuelle Tickermeldungen durch. »Offenbar ist der Mann Musiker und damit auch recht erfolgreich«, sagt Feuilletonchef Peter Schnitz. »Mehr kann ich aus der Meldung nicht in Erfahrung bringen.« »Und ich möchte auch, dass das so bleibt«, sagt der CvD. »Versucht, so wenig wie möglich über diesen Naidoo herauszufinden! Ich möchte nur unsere schlechtesten Leute auf den Fall ansetzen.« Am Ende der Konferenz trinken alle Beteiligten einen Obstler und streichen den Punkt von der Tagesordnung.

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Xavier Naidoo hat es schon wieder getan, exakt das, was er seit Jahr und Tag tut. Nämlich einen steinharten Mist von sich geben, dass die Heide bebt. Frisch aus dem religiösen Dauerdelir sind Sätze über »Gäste« und »Gastgeber« aufgetaucht, die man sonst nur von Verschwörungsblogs wie Epoch Times oder Cicero kennt. »Und wie reagiert Mediendeutschland? Exakt so wie immer, wenn Naidoo irgendetwas von sich gibt: vollkommen überrascht«, sagt Irma Triton, Leiterin des Instituts für die Psychologie des Medienschaffens an der Hamburger Universität der Bundeswehr. Triton hat dazu eine These: »Es liegt an der Musik. Die meisten Journalisten sind mit Naidoos Liedern aufgewachsen, so dass sein Name starke Fluchtreflexe auslöst. Hört ein derart konditionierter Journalist den Namen, möchte er reflexhaft aus dem Fenster springen. Da das in vielen Büros nicht so ohne weiteres möglich ist, wird das Gehirn mit Stresshormonen geflutet, ähnlich einer posttraumatischen Belastungsstörung. Die Konsequenz: Es entstehen keine akuten Neuronenverbindungen, neue Erfahrungen mit Naidoo verschwinden aus dem Kurzzeitgedächtnis. Unsere Musikjournalisten sind auf dem intellektuellen Stand von 14jährigen!«

Triton empfiehlt eine Schocktherapie: Betroffene Medienarbeiter müssten sich täglich mit dem Gesang Naidoos konfrontieren, um das Gehirn allmählich daran zu gewöhnen. »Leider hat die WHO diese Therapie als besonders unmenschlich abgelehnt. Aber ich fürchte, uns bleibt keine Alternative!«

Aus der Urteilsbegründung:
Leo Fischers preisgekrönte ­Reportagen sind in hohem Maße fiktiv. Ähnlichkeiten mit realen Personen und Geschehnissen sind unbeabsichtigt.