Homestory #17

Pünktlich zu den ersten warmen Tagen werden in der Redaktion Reisepläne für den Sommer geschmiedet. Ressortkollegen und -kolleginnnen sprechen sich ab, wer wann freinimmt, und diskutieren ihre Lieblingsziele. Kreta oder Korsika? Zelten oder Airbnb? Allein oder als Gruppe? Schulferien, Festivaltermine, Flugpläne wollen berücksichtigt werden und über allem schwebt die Frage: Wohin fährt eigentlich die Redaktion auf ihrer jährlichen Auslandsreise, die zumeist im Spätsommer stattfindet? Mehr oder weniger realistische Wünsche werden diskutiert – vom Bauernhof im Schwäbischen bis zu den kurdischen Gebieten. Die Geschäftsführung mahnt zur Eile. Man müsse schnell entscheiden, die Flugpreise steigen täglich. So läuft es eigentlich immer, nur in diesem Jahr war alles anders.

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Mitten im fiesen Februar saßen alle zusammen und fanden in bisher ungekannter Einmütigkeit unsere Traumdestination 2020. Ein großes Land, ein schönes Land, ein Land, in dem gerade eine Menge passiert, und vor allem ein Land, für das man im Februar sehr günstige Flugtickets und sogar noch eine feine Unterkunft finden kann, in der man nicht wie die Sardinen in der Dose eingequetscht ist. So war also schon im Februar, früh wie lange nicht mehr, alles unter Dach und Fach: Zeitraum gewählt, Tickets gebucht, Haus ausgesucht, sogar eine Themensitzung war schon abgehalten worden.

Doch Covid-19 hat auch vor dem diesjährigen Auslandsziel Ihrer Lieblingszeitung nicht halt gemacht, und die Unterkunft ist mittlerweile abgesagt worden. Unter den derzeitigen Umständen wäre aus der Auslandszeitung wohl auch eine Quarantänezeitung geworden, in der nicht viel mehr gestanden hätte als Serientipps für die Zeit zu Hause und im Spätsommer hoffentlich nicht mehr ganz so niederschmetternde Fakten zur Coronapandemie. Doch zum ersten Mal seit 1998 eine Auslandsreise der Jungle World komplett ausfallen zu lassen, steht noch nicht zur Debatte. Dafür wird diskutiert, erst im nächsten Frühjahr aufzubrechen, also darf weiter geraten werden, wohin es denn wohl geht. Zum Skifahren eher nicht, obwohl es zum Namen des Ziels eine gewisse phonetische Ähnlichkeit gibt. Also, Go Go Go, zwar nicht im buchstäblichen Sinne, denn es ist immer noch Isolation angesagt, aber zum Raten muss man ja nicht vor die Tür.