Porträt

Mediziner ohne Durchblick

Der österreichische Abtreibungsarzt Christian Fiala hält Corona für ungefährlich
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Christian Fiala ist ein engagierter Gynäkologe in Österreich. In Wien betreibt er ein Abtreibungsmuseum, legt sich mit der selbsternannten Lebensschutz-Bewegung an und fährt regelmäßig nach Salzburg, damit auch dort ungewollt Schwangere einen Abbruch bekommen können. Ein Verbündeter, wie ihn sich die Pro-Choice-Bewegung nur wünschen kann, sollte man meinen. Nun hat er aber die »Initiative für evidenzbasierte Corona-Informationen« (ICI) gegründet, die am 1. Mai zum zweiten Mal eine Kundgebung gegen die Corona-Maßnahmen veranstaltete.

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Dort bezeichnete Fiala in seiner Rede social distancing als »Folter« und behauptete, dass es aus medizinischer Sicht keinen Grund gebe, »vor diesem Virus Angst zu haben«. Gesichtsmasken seien kontraproduktiv und sogar gefährlich, weil dadurch der CO2-Gehalt in Blut und Gehirn steige, was zu einer reduzierten Gehirnaktivität führe. An der ersten Kundgebung am Wochenende davor hatten, obwohl die Polizei sie untersagt hatte, einige Dutzend Personen teilgenommen, die zweite, genehmigte, war mit 400 Teilnehmenden bereits deutlich besser besucht. Im Publikum waren auch der Sprecher der extrem rechten Identitären Bewegung, Martin Sellner, sowie rechte Burschenschaftler und bekannte Neonazis.

Im Interview mit dem sich als postideologisches Medium bezeichnenden Nachrichtenportal zackzack.at behauptet Fiala, Corona sei Teil einer normalen Grippewelle, die gerade zu Ende gehe, und die Verläufe seien relativ mild. Es gibt also keine Pandemie? Warum aber dann das Ganze? »Mathematiker und Virologen« würden »an diesen Prognosemodellen auch Geld verdienen«, meint Fiala, zudem wüsste man, »in welche Richtung das geht«, »wenn man weiß, dass Amazon in zwei Wellen 170 000 Mitarbeiter eingestellt hat und bei uns geht der Einzelhandel in Konkurs«. Ob das ausreichende Gründe sind, eine Weltwirtschaftskrise zu riskieren, scheint allerdings fraglich. Fiala warnt vor »Panik-Methoden«, die schon »bei BSE, Schweine­grippe und Aids eingesetzt« worden seien. Er hält nämlich das HI-Virus nicht für die Ursache von Aids, die dagegen entwickelten Medikamente aber für tödlich. Diese Ansichten hat die Pro-Choice-Bewegung bisher weitgehend ignoriert. Die neuen Ausfälle sollte sie zum Anlass nehmen, auf diesen Verbündeten zu verzichten.