Kira Fuchs, Sprecherin der Berliner Kampagne »Für eine Zukunft mit K-Fetisch«, im Gespräch

»Öffentlichen Druck intensivieren«

»Für eine Zukunft mit K-Fetisch« lautet das Motto einer Kampagne, die sich für eine langfristige Perspektive des linken Cafés in Berlin-Neukölln einsetzt. Kira Fuchs gehört zu den Mitbegründerinnen der Kampagne. Die Jungle World hat mit ihr gesprochen.
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Warum setzen Sie sich für das K-Fetisch ein?

Für uns geht es um mehr als nur um guten Kaffee: Wir wollen Kiezstrukturen und solidarische Nachbarschaften erhalten und das Kollektivcafé K-Fetisch gehört fest dazu. Es ist nicht nur für uns Anwohner ein zentraler Treffpunkt, sondern für viele links oder ­alternativ denkende Menschen, Queers, Hipster, Touris, politische Gruppen, Refugees, Bettlerinnen und Bettler, Junge und Alte. Das K-Fetisch bietet Kaffee, Kuchen und eine gemütliche Atmosphäre, aber auch Bücherreihen und Diskussionsveranstaltungen, um sich mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen auseinanderzusetzen.

Der bisherige Mietvertrag läuft noch bis Ende Oktober 2021. Warum sollte Ihre Kampagne bereits jetzt beginnen?

Das K-Fetisch und die Mitarbeitenden brauchen mittel- und langfristige Sicherheiten. Bisher konnte mit der Immobilienfirma Akelius keine finanzierbare Vertragsverlängerung ausgehandelt werden, Gesprächsangebote werden abgeblockt. Deswegen ist für die Hausgemeinschaft »Wilde Weser«, die Nachbarinnen und Nachbarn, Freundinnen und Freunde sowie die Kollektivmitglieder des K-Fetisch jetzt Solidarität nötig.

Wird Ihre Kampagne durch die Pandemiemaßnahmen erschwert?

Das K-Fetisch ist seit dem 14. März geschlossen. Das verstärkt die Unsicherheit für das Café. Es wäre sehr wichtig, zumindest mit dem Mietvertrag eine langfristige und sichere Perspektive zu haben. Die Kampagne kann nur online stattfinden, das erschwert es für uns. Der persönliche Kontakt im Café und auf der Straße fehlt. Im vergangenen Jahr haben wir als Hausgemeinschaft bereits ein Straßenfest veranstaltet. So etwas ist jetzt nicht möglich. Wir vermissen das offene Café und den Kontakt mit den Nachbarn und anderen Gästen.

Der Gebäudekomplex, in dem sich das K-Fetisch befindet, wurde vom schwedischen Immobilienunternehmen Akelius gekauft. Was ist über den Investor ­bekannt?

Akelius fällt durch seine Geschäftspraktiken sehr negativ auf: Grundlegende Instandsetzungen bei Mietern werden nicht oder erst nach mehrmaliger Aufforderung vorgenommen, Gewerbemieter werden verdrängt. In dem Haus, in dem auch das K-Fetisch ist, musste eine Bürogemeinschaft bereits ausziehen, weil sie die höhere Miete bei der Vertragsver­längerung nicht mehr hätte bezahlen können.

Im September 2019 sagte ein Mitarbeiter der zuständigen Bezirks­verwaltung von Neukölln im »Berliner Mieterecho«, dass es sich bei dem Kauf um einen sogenannten Share-Deal handeln könnte, also die Anwendung einer Verkaufsmethode, um die Grunderwerbssteuer zu umgehen. Was würde das ­bedeuten?

Wir gehen auch davon aus, dass das Haus mit einen Share-Deal in den Besitz von Akelius übergegangen ist. Es könnte sein, dass damit das Vorkaufsrecht des Bezirks und gesetzlich vorgeschriebene Rücksichten auf den Milieuschutz umgangen worden sind. Welche Auswirkungen das haben könnte, wenn sich der Verdacht bestätigt, können wir derzeit nicht einschätzen.

Warum haben Sie den für den 7. Mai geplanten Beginn der Kampagne zum Erhalt des K-Fetisch verschoben?

Bereits die Ankündigung der Kampagne hat die Akelius GmbH zu Verhandlungen mit dem Bezirk Neukölln bewegt. Wenn es bis Ende Juni zu keiner für uns zufriedenstellenden Lösung kommt, werden wir wie geplant mit einer Online-Petition und weiteren Aktionen den öffentlichen Druck intensivieren, um den Erhalt des ­K-Fetisch zu sichern.

 

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