Marker Starlings Album »High January«

Lakonischer Kapitän

Platte Buch Von

»High January« ist bereits das fünfte Album, das Marker Starling seit 2015 veröffentlicht hat. Trotz seines Fleißes ist der zurückhaltende musician’s musician aus Toronto, der bis 2012 unter dem Bühnennamen Mantler unterwegs war, nahezu unbekannt. Vielleicht, weil er immer, wenn die Kamera auf ihn halten könnte, nicht zu sehen ist. So im Video zu Von Spars »A Dream Pt. 2«, wo er als Sänger zu hören ist, sich aber die Lefzen eines Stoffhundes zu seinem Text bewegen. Oder in der japanischen Animeserie »Carole&Tuesday«, in der er die Stücke der Figur Desmond singt. Die Videos von Marker Starling, in denen Chris A. Cummings zu sehen ist, wie der Künstler bürgerlich heißt, haben dagegen maue Klickzahlen. Dem versucht das neue Album abzuhelfen. Und das vorab veröffentlichte Video zu »Wait­ing for Grace« legt den Eindruck nahe, dass man dafür Cummings’ nuancierten Witz in ­seinem bisherigen Schaffen gegen Überdeutlichkeit eingetauscht hat: Man sieht Cummings in Kapitänskostüm auf ­einem Segelboot. Ja, »Yacht Rock«, schon verstanden.

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Gegenüber seinem meisterhaften Album »Trust an Amateur« von 2018, das nur mit E-Piano und Drum ­Machine instrumentiert war, stattet »High January« Cummings’ filigrane Songs mit einer deutlich aufwendigeren Produktion aus, vor allem aber mit einer kompletten Band. Lässiger Backbeat, funky Bass, luftige E-Pianoflächen: Klar, Cummings vor jazzigen Akkorden abgesetzter Gesang und seine smarten Texte klangen tatsächlich immer schon ein bisschen nach Donald Fagen. Pastiche wird das zum Glück fast (die Gitarre!) nie, und so sind es auch nicht die Momente, in denen das Album tatsächlich nach Steely Dan klingt, die es auszeichnen. Es sind stattdessen die Warmherzigkeit und Lakonie von Cummings’ Beobachtungen, die gleichzeitig melancholischen und verspielten Harmonien, kurz: die un­verwechselbare Eigenart Cummings’, die trotz des Kapitänskostüm erhalten bleibt. Es ist ein verdammter Skandal, dass dieser Mann, der wohl einer der derzeit besten Songwriter ist, nicht weltberühmt ist.

Marker Starling: High ­January (Tin Angel Records)