Von Bienen und Schmetterlingen – die Boxkolumne

Intensiver Körperkontakt

Ausgerechnet in der Kontaktsportart Boxen sind wieder Wettbewerbe erlaubt
Kolumne Von

Am Ende ging es schnell. Der Berliner Senat erteilte Ende Mai dem Boxstall Agon die Erlaubnis, am 12. Juni mehrere Kämpfe auszutragen – unter strengen Hygiene- und Sicherheitsauflagen und ohne Zuschauer. Als wichtigster Kämpfer des Abends gilt der ehemalige WBA-Weltmeister Jack Culcay, der seinen Titel als International Champion der WBO verteidigen will. Zudem muss der Mittelgewichtler Björn Schicke seinen europäischen EBU-Titel verteidigen. »Für uns bedeuten die Kämpfe einen weiteren Schritt in die Normalität, und ich bin mir sicher, dass wir in absehbarer Zeit wieder alle Fans an unserem Boxring begrüßen dürfen«, verkündete Ingo Volckmann, der Geschäftsführer von Agon.

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Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) sagte, dass »der Sport und mit ihm die vielen Berliner Vereine die notwendige Unterstützung und Hilfe« erfahren werden. Weshalb aber ausgerechnet ein Profiboxstall derart privilegiert wird, verriet Geisel nicht. Als Nischensportart ist das Boxen kein Zuschauermagnet wie Fußball oder Handball. Die von Geisel angesprochenen »enormen wirtschaftlichen Einnahmeausfälle bis hin zur Bedrohung ihrer wirtschaftlichen Existenz« betreffen vor allem Vereine mit hohen Personalkosten und großem Zuschaueraufkommen. Boxen fällt in keine dieser Kategorien. »Mir ist klar, dass man eine kontaktintensive Mannschaftssportart wie Fußball oder Eishockey in einer Zeit wie der momentanen nicht ausüben kann«, sagte der Abgeordnete Stefan Förster (FDP) in einer von der AfD beantragten Debatte im Abgeordnetenhaus über eine »schrittweise Beendigung des shutdown auch im Bereich des kommerziellen Sports«. »Mir ist auch klar, dass Boxsport ohne intensiven Körperkontakt nicht möglich ist«, ergänzte Förster.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Geschäftsleute ihre Sonderinteressen durchsetzen. Volckmann gilt in Berlin als gut vernetzt. Der auch in der Immobilienbranche tätige Unternehmer hält sich auf der spanischen Ferieninsel Mallorca den Drittliga-Fußballclub Atlético Baleares. Dem Mallorca-Magazin zufolge soll er »in den vergangenen Jahren mehrere Millionen Euro« in den Verein gesteckt haben. Der Sozialdemokrat Geisel zog 2016 wegen einer Parteispende des Immobilieninvestors Klaus Groth an den SPD-Kreisverband Lichtenberg Kritik auf sich. In diesem Kreisverband trat Geisel noch im selben Jahr als Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl an. Kritiker sahen hier einen Zusammenhang zu einem Bauvorhaben von Groths Unternehmen. Als ehemaliger Lichtenberger Bezirksstadtrat für Bau- und Wohnungswesen, ehemaliger Bezirksbürgermeister sowie als damaliger Stadtentwicklungssenator hat man halt so seine Kontakte. Geisel sah in dem Sachverhalt selbstverständlich kein Problem.