Der ehemalige Audi-Manager Rupert Stadler wird sich vor Gericht verantworten müssen

Ein Standortmanager vor Gericht

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In knapp vier Monaten soll vor dem Landgericht München der erste Strafprozess in Deutschland wegen der sogenannten Abgasaffäre stattfinden. Am Montag teilte das Gericht mit, der Prozess solle am 30. September beginnen. Vor fast fünf Jahren war bekannt geworden, dass der Volkswagen-Konzern Manipulationen bei Abgastests vorgenommen hatte. Bei mehr als elf Millionen Dieselfahrzeugen fiel der Ausstoß von Stickoxiden dadurch auf dem Prüfstand geringer aus als im Normalbetrieb. Deutsche Standortpatrioten waren erschüttert. Schließlich ist der VW-Konzern, der die Manipulationen im September 2019 einräumte, eines der deutschen Traditionsunternehmen. Wie kaum ein anderes steht es für das sogenannte Wirtschaftswunder. Bekannt ist das Bild des millionsten VW-Käfer, der 1955 vom Band rollte.

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Mit Rupert Stadler ist nun ein ehemals hochrangiger Manager des Konzerns angeklagt. Zwischen 2007 und 2018 war er Vorstandsvorsitzender der VW-Tochterfirma Audi. Er fungierte auch als Vorstandsmitglied von VW. Neben Stadler müssen sich ein weiterer Manager und zwei Ingenieure vor Gericht verantworten. Das hatte die Klage bereits im Juli 2019 zugelassen. Die Staatsanwaltschaft wirft Stadler »Betrug, mittelbare Falschbeurkundung und strafbare Werbung« vor. Seit September 2019 soll er von den Manipulationen gewusst, den Verkauf der Autos aber nicht verhindert haben. Der Süddeutschen Zeitung zufolge könnte das für eine Gefängnisstrafe ausreichen. Stadlers Mitangeklagte sollen Dieselmotoren manipuliert haben. Diese sollen in mehr als 430 000 Fahrzeuge der Marken Audi, VW und Porsche eingebaut worden sein, die in Europa und den USA verkauft wurden, rund 120 000 davon, nachdem die Abgasaffäre bekannt geworden war. Dadurch sollen Audi Kosten für die Nachrüstung in Höhe von 27,5 Millionen Euro entstanden sein.

Zwischen Juni und Oktober 2018 saß Stadler wegen Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft. Währenddessen entschied der Aufsichtsrat von VW, ihn zu entlassen. Nun muss er sich auf einen langen Prozess einstellen. Das Landgericht München hat 176 Verhandlungstage bis Ende 2022 angesetzt.