Chronik rassistischer und antisemitischer Vorfälle

Deutsches Haus #38-39/2020

Wie die Berliner Zeitung am 8. September berichtete, hat die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (Rias) seit März 75 antisemitische Vorfälle in der Hauptstadt verzeichnet, die einen Bezug zur Covid-19-Pandemie aufweisen. 34 davon fallen Rias zufolge in die Kategorie »verletzendes Verhalten«. So zeigte im April ein Unbekannter im Bezirk Neukölln auf eine Person, die einen mit einem Davidstern versehenen Beutel mitführte, und sagte: »Die waren das mit dem Virus.« Im Mai sprachen Unbekannte im Ortsteil Wedding ein jüdisches Ehepaar an und sagten: »Schämt ihr euch nicht, was ihr veranstaltet habt, ihr Juden?« Einem Bericht des Weser-Kurier vom 8. September zufolge registrierten die Bremer Behörden im Jahr 2019 insgesamt 134 Straftaten mit rechtsextremem Hintergrund. Dies geht aus einem Papier der Innenbehörde des Bundeslands hervor. Bei den meisten Taten handelt es sich um sogenannte Propagandadelikte. Manche richteten sich jedoch auch gegen Personen. So bedrohten Rechtsextreme ein Mitglied der Linkspartei, das eine Demonstration angemeldet hatte, im Internet mit dem Tode. In einer Straßenbahn beleidigte ein Neonazi einen Nigerianer und schlug auf ihn ein, als dieser sich neben ihn setzen wollte. In einer gemeinsamen Presse­erklärung informierten die Staatsanwaltschaft Heidelberg und das Polizeipräsidium Mannheim am 8. September über Ermittlungen in einem Fall von Körperverletzung und antisemitischer Beleidigung. Ein 25jähriger besuchte demnach in der Nacht auf den 29. August eine Verbindungsfeier der Burschenschaft Normannia in Heidelberg (Baden-Württemberg). Nachdem er gesagt hatte, er habe jüdische Vorfahren, beschimpften ihn mehrere Anwesende auf antisemitische Weise, schlugen mit Gürteln auf seine Beine und seinen Rücken ein und bewarfen ihn mit Münzen. Die Polizei hat bislang 27 Teilnehmer der Feierlichkeit ermittelt, acht von ihnen werden beschuldigt, an den Straftaten beteiligt gewesen zu sein. Wie die Polizei berichtete, beleidigte ein 39jähriger am frühen Morgen des 4. September in einer Straßenbahn in Richtung des Bremer Hauptbahnhofs einen 22jährigen auf rassistische Weise, indem er ihn unter anderem als »Scheißausländer« und »Drecksnigger« bezeichnete. Zudem beschimpfte er einen weiteren Fahrgast als »Nigger« und »Hurensohn«. Als der 39jährige am Hauptbahnhof aus der Bahn stieg, folgte ihm der 22jährige, attackierte ihn und fügte ihm eine Kopfverletzung zu, die im Krankenhaus behandelt werden musste. Gegen den älteren Mann wird wegen Beleidigung, gegen den jüngeren wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. mst

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