Zeina Nassar wirbt für den Sport-Hijab

Kinnhaken und Kopftücher

Von Bienen und Schmetterlingen – die Boxkolumne.

Zeina Nassar macht zurzeit nicht nur mit ihren sportlichen Leistungen Schlagzeilen. Die mehrfache Berliner Meisterin im ­Boxen hat nach langem Kampf durchgesetzt, dass sie mit Kopftuch antreten darf, nicht nur bei nationalen, sondern auch bei internationalen Kämpfen. Vor sieben Jahren hatte sich die Trainerin Linos Bitterling von den »Boxgirls« in Berlin-Kreuzberg erfolgreich dafür eingesetzt, dass ihr Schützling in langer Kleidung und mit Kopftuch in den Ring durfte. Nachdem die Box­regeln in Deutschland geändert worden waren, durfte Nassar mit Hijab boxen – und tat das mit großem Erfolg.

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Die 22jährige hat 18 ihrer 24 Kämpfe gewonnen und wirbt für den Sport-Hijab eines bekannten US-amerikanischen Sport­artikelherstellers. Anfang des Jahres wurden auch die internationalen Regeln angepasst, so dass Nassar mittlerweile auch ­außerhalb Deutschlands mit Hijab antreten kann. Auf Instagram hat die Studentin der Soziologie und Erziehungswissenschaften inzwischen weit mehr als 100 000 Follower. Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk betonte sie die Verantwortung, die sie dadurch als Vorbild habe, vor allem weil ihr viele Jugendliche und Kinder in den sozialen Medien folgten.

Nach eigenen Angaben trug Nassar das Kopftuch bereits als Neunjährige. Zudem trägt sie ein Longsleeve und Leggins unter der Wettkampfkleidung. Vor den Änderungen in diesem Jahr enthielten die Statuten des internationalen Amateurboxverbands diesbezüglich keinerlei Regelung. Nicht nur in einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung sprach sich die Studentin kürzlich gegen die Unterdrückung von Frauen aus und stellte sich als emanzipiertes Individuum dar. Überall, wo sich Nassar eine Bühne bietet, trägt sie diese Botschaft wie ein Mantra vor. Auch ein Buch mit den Titel »Dream Big: Wie ich mich als Boxerin gegen alle Regeln durchsetzte« hat sie veröffentlicht.

Ein interessantes Detail fällt jedoch in der Berichterstattung häufig unter den Tisch. Nassar ging mit ihren Geschwistern auf die Islamische Grundschule Berlin, wie sie in ihrem Buch berichtet. Der Vorsitzende des Trägervereins, Mustafa Özdemir, ist zugleich Geschäftsführer der Islamischen Föderation in Berlin (IFB). Mehrere Moscheegemeinden, die unter dem Dach der Islamischen Föderation versammelt sind, stehen der türkisch-islamistischen Bewegung nahe.

Als Lehrkraft angestellt an der Schule ist Fereshta Ludin. Sie wurde 2003 bundesweit bekannt, weil sie – erfolglos – vor dem Bundesgerichtshof das Recht einklagte, aus Glaubensgründen ein Kopftuch während der Arbeit als Lehrerin zu tragen. In ihrem Buch beschreibt Nassar Ludin als persönliches Vorbild, weil diese dafür »kämpfte, das zu tun, was sie liebt, ohne sich dabei selbst untreu zu werden«.