Der Hongkonger Demokratieaktivist Tony Chung ist verschwunden

Missing in Hongkong

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Am Dienstagmorgen war Tony Chung auf einmal verschwunden. Medienberichten zufolge nahmen Beamte des neuen Hongkonger Sicherheitsbüros den Demokratieaktivisten in einem Café in der Nähe des US-amerikanischen Konsulats in Hongkong fest. Das Büro wurde eingerichtet, um das Ende Juni vom Ständigen Ausschuss des chinesischen Nationalen Volkskongresses verabschiedete sogenannte Nationale Sicherheitsgesetz durchzusetzen. Die Hongkonger Polizei hatte die Festnahme bei Redaktionsschluss nicht bestätigt.

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Nach Angaben der in Großbritannien ansässigen Gruppe Friends of Hongkong wollte Chung im US-Konsulat Asyl beantragen. Am Montag sei ihm mitgeteilt worden, er solle sich am Dienstag auf einer Polizeiwache melden, um eine Aussage zu machen. Chung habe befürchtet, dort festgenommen zu werden. Wer in den USA als Flüchtling aufgenommen werden will, muss grundsätzlich auf US-amerikanischem Staatsgebiet Asyl beantragen. Es gibt jedoch »kompliziertere Verfahren für die Beantragung des Flüchtlingsstatus, die unter anderem im Konsulat in Hongkong bearbeiten werden«, wie die britische Tageszeitung The Guardian schreibt.

Ein Mitstreiter des 19 jährigen Studenten sagte der FAZ, Chung habe sich am Dienstag im Rahmen seiner Kautionsauflagen bei der Polizei melden müssen. Bereits Ende Juli waren er und drei weitere Aktivisten wegen Separatismus festgenommen worden. Später kamen sie gegen Kaution wieder auf freien Fuß. Chung wurde die Ausreise aus Hongkong untersagt, solange die Ermittlungen laufen. Separatismus ist neben Untergrabung der Staatsgewalt, Terrorismus und Verschwörung mit ausländischen Kräften einer der vier Haupstraftatbestände, für die Hongkonger Bürgern auf Grundlage des »Sicherheitsgesetzes« in China der Prozess gemacht werden kann. Bislang wurden mindestens 27 Personen wegen Verstößen gegen das Gesetz festgenommen.

Chung war der Anführer der Honkonger Gruppe Studentlocalism. Diese hatte am Abend vor der Verabschiedung des Gesetzes angekündigt, sich aufzulösen und ihre Basis ins Ausland zu verlegen. Der Facebook-Seite der Gruppe zufolge wurden wenige Stunden nach Chungs Verschwinden zwei ehemalige Mitglieder der Gruppe, Yannis Ho und William Chan, in Hongkong festgenommen. Die Hongkonger Polizei bestätigte die Festnahmen. Gegen Ho und Chan werde wegen des Verdachts auf Verbreitung von separatistischen Inhalten ermittelt.