Warten auf den Abgang von Trump

»Alternative Facts« auf Deutsch

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Sätze, von denen man nie gedacht hätte, dass man sie einmal schreiben würde: Ein wenig ermüdend ist es schon, das große Warten darauf, ob der abgewählte US-Präsident nun endlich seine Niederlage eingesteht und ob er, vor allem in Hinblick auf die Covid-19-Pandemie, eine möglichst reibungslose Amtsübergabe ermöglicht.

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Diese neuen Zeiten, in denen jeder für sich selbst entscheidet, was Fakten und was Lügen sind beziehungsweise welche Tatsachen einfach nicht akzeptiert werden, sind jedenfalls sehr anstrengend. Und das nicht nur im Falle von renitenten US-Präsidenten, sondern immer, aber vielleicht gehen diese Zeiten der Alternativfakten ja auch irgendwann weg und na gut, sehr wahrscheinlich ist das nicht.

Sich nun über die USA zu mokieren und sich in hämischen Bemerkungen über die Dusseligkeit der Trump-Anhänger und ihres Idols zu ergehen, wäre nicht besonders vorausschauend: Die Bundestagswahl im kommenden Jahr könnte nämlich auch ein ganz großer und vor allem sich ewig hinziehender Spaß werden.

Anzeichen dafür gab es schon bei der vorherigen Wahl, und wenn man es genau nimmt, auch bei der davor. Bereits damals kursierten nämlich in den sozialen Medien von sehr deutschen Kreisen als unbedingte Wahrheiten verbreitete Gerüchte und manipulierte Bilder, denen zufolge immenser Wahlbetrug im Gange gewesen sei.

In den USA wurde das Ganze nun erheblich perfektioniert, beziehungsweise eigentlich nicht mal perfektioniert, es sind nur inzwischen wesentlich mehr Leute bereit, das als Tatsachen zu sehen, was sie gern glauben wollen. Und sind derart unerschütterlich davon überzeugt, recht zu haben, dass kein Faktencheck und kein Beweis und nichts sie jemals erreicht.

Aber vielleicht ist bis dahin wenigstens Corona weg.