Besuch beim »Team Todenhöfer«

Endlich eine Partei für die Allerdümmsten

Jürgen Todenhöfer gründet seine eigene Partei.
Die preisgekrönte Reportage Von

Die junge Frau ist ratlos: In der Coronakrise hat sie ihre alte Stelle verloren, der neue Arbeitgeber lässt aber kein Homeoffice zu. Wie soll die alleinerziehende Mutter nun ihre Kinder versorgen? Der Mann in der schwarzen Lederjacke hört ihr lange mit zwei halben Ohren zu, dann setzt er zu einer Replik an: »Der Westen hat Sie vergessen, Frau Schmidt. Zerrieben zwischen den Fronten eines sich abschottenden Europa, eines Weltpolizisten Amerika und einem skrupellosen Diktator als Arbeitgeber, sind Sie ganz auf sich gestellt. Ich werde Ihre Botschaft in die Uno-Vollversammlung und ins Weiße Haus tragen, Frau Schmidt! Das schwöre ich!« Während ihm die junge Mutter verwirrt nachblickt, zieht er schon wieder zum nächsten Schlachtfeld: Dr. Jürgen Todenhöfer, der Politiker.

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Die Nachricht schlug ein wie eine imperialistische Bombe in ein friedliebendes Land: Todenhöfer, 80jähriger CDU-Veteran, IS-Flüsterer und nimmermüd’ um die Welt jettender Israel-Kritiker, gründet eine eigene Partei. »Ich spiele jede Woche Fußball, steige auf die höchsten Berge Südtirols und bin immer noch sechs Jahre jünger als Kanzler Konrad Adenauer zum Ende seiner Amtszeit«, sagte er in einer ersten Stellungnahme. So viel Presserummel hatte der greise Schlachtenbummler nicht mehr, seit ihn Jakob Augstein zum Mitherausgeber der Satirezeitung Der Freitag befördert beziehungsweise hinausbefördert hatte. Nun möchte der für seine Auftritte irgendwo zwischen Peter Scholl-Latour und Kara Ben Nemsi berüchtigte Extrempublizist mit seiner Partei »Team Todenhöfer« gegen die CDU antreten, die inzwischen nur mehr eine »Karikatur ihrer selbst« sei – ein Satz, den sicher auch Erika Steinbach unterschreiben kann.

»Ich habe gemerkt, dass sich viele streitbare Intellektuelle derzeit der Politik zuwenden – sei es Attila Hildmann, Xavier Naidoo oder Gabor Steingart«, sagt Jürgen Todenhöfer, »und damit schnell noch ein bisschen Kohle bei den Allerdümmsten abholen. Das hat mich letztlich überzeugt!« Angeblich gebe es in der neuen Partei des Mannes, der Gaza als »weltgrößtes KZ« bezeichnete, keinen Platz für Antisemiten: »Es gibt ohnehin keinen Platz, außer für mich!« Man wünscht ihm Glück, neben vielen anderen Dingen.

 

Aus der Urteilsbegründung: Leo Fischers preisgekrönte ­Reportagen sind in hohem Maße fiktiv. Ähnlichkeiten mit realen Personen und Geschehnissen sind unbeabsichtigt.