Socken sortieren

Was für ein Gesocks

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Aufregende Zeiten erfordern aufregungsarme Tätigkeiten, allerdings darf eine ­Beschäftigung auch nicht zu eintönig sein, weil Gedanken ab einer gewissen Ödnisstufe damit beginnen, frei herumzuwandern, bis sie ein lästiges Thema gefunden haben, um das sie herumkreisen können.

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Sockensortieren ist dagegen eine ideale unaufregende Tätigkeit, schließlich muss man sich dabei durchaus konzentrieren, denn ständig passiert Unvorhergesehenes. Wie dieser schwarze Strumpf, der eigentlich auf den Stapel »mittellang« gehört, aber ein breiteres Bündchen als die dort bereits versammelten Exemplare hat, die sich ansonsten nur im Fußteil voneinander unterscheiden, was durchaus daran liegen könnte, dass sie unterschiedlich heiß gewaschen wurden. Strümpfe haben es nicht gern, gekocht zu werden, nämlich. Und so muss das breitere Bündchen geduldig warten, bis sein Gegenstück auftaucht, oder bis man die Geduld verliert und es wegwirft, was aber dem Prinzip des kontemplativen Sockensortierens zuwiderläuft.

Oh, die roten Kuschelsocken, die damals unbedingt gekauft werden mussten, weil es an der Nordsee so kalt war. Und ach, sieh an, da ist ja auch dieser absolute Strumpffehlkauf aller Zeiten, der zwar superschön glitzerte, aber mutmaßlich im großen Stil von der Sockenmafia aus Lametta hergestellt wurde, das von am Straßenrand abgelegten Weihnachtstannen abgepflückt wurde, wofür auch spricht, dass man mit diesem Fehlkauf machen kann, was man will, er geht einfach nicht kaputt und verliert auch niemals die Form. Dafür kratzt er so, wie Baumbehang halt kratzt, wenn man ihn zu Anziehsachen verarbeitet, vielleicht sollte man die blöden Teile nun aber wirklich langsam mal wegwerfen? Hach, da ist ja das breite Bündchen, wie schön. Was ein entspannter Nachmittag. Ha!