Das EU-Rentenkonzept von Bernd Raffelhausen

»Alle runter von der Sonnenliege«

Bernd Raffelhausen stellt sein EU-Rentenkonzept vor.
Die preisgekrönte Reportage Von

Überraschend leger kommt uns der Professor heute entgegen. Sein weitgeschnittenes T-Shirt ziert ein großes Logo der Ergo-Versicherungen, sein Käppi stammt von den Designern des Altersheim-Riesen Augustinum. »Bitte lassen Sie sich bei Ihrer Berichterstattung aber davon nicht beeinflussen«, sagt Bernd Raffelhausen, deutscher Finanzwissenschaftler und -dienstleister mit Lehrstühlen in Bergen, Freiburg und an der Carsten Maschmeyer School of Corporate Ethics. »Das tut die Welt ja auch nicht, wenn Sie mich als ›Experten‹ zitiert. Das sollte einfach nur guter journalistischer Standard sein.«

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Raffelhausen ist ein Multitasking-Genie. Als Lobbyist legt er sich für private Rentenversicherer ins Zeug, als neutraler Sachverständiger kann er die viel zu lange Rentenbezugsdauer in Südeuropa kritisieren. »Da muss man gar kein Lobbyist sein, um festzustellen, wie lange da unten gefaulenzt wird, da reicht eine Stoppuhr!« Im Zuge der gemeinsamen Schuldenaufnahme der EU forderte er Anpassungen der Renten in Frankreich und Spanien. »Es ist dem deutschen Steuerzahler nicht zu erklären, warum er Milliarden für die Impfung ausländischer ›Rentner‹ ausgeben soll, die in Deutschland im selben Alter immer noch knochenbrecherische, mörderische Jobs machen müssten. Da muss endlich Gerechtigkeit her! Also: Alle runter von der Sonnenliege!«

Raffelhausen fordert, Coronahilfen für Europa von Änderungen in der Rentenpolitik abhängig zu machen: »Ich würde den Spaniern sagen, dass es genau zwei Lösungen für die die südeuropäischen Alten gibt: entweder durchgeimpft und voll berufstätig oder die biologische Lösung. Und als drittes natürlich die extrem günstige Ergo-Investmentrente!« In der CDU zeige etwa Friedrich Merz, dass ­Senioren auch in einfachen Berufen reüssieren können. »Statt der EU auf der Tasche zu liegen, geht Merz einer soliden Tätigkeit als Kanzlerkandidat nach – obwohl er dabei viel weniger verdient als zuvor im Beruf.« Europäische Gerechtigkeit bedeute auch, dass die Senioren sich aktiv in den Erhalt des Sozialstaats einbrächten, notfalls mit ihrem Frühableben. »Und dafür bietet Corona eine so günstige Gelegenheit wie nie zuvor!«

 

Aus der Urteilsbegründung: Leo Fischers preisgekrönte ­Reportagen sind in hohem Maße fiktiv. Ähnlichkeiten mit realen Personen und Geschehnissen sind unbeabsichtigt.