Die Ergebnisse der Bundestagswahl 2021

Gewinner, Verlierer und glücklich Davongekommene

Die Bundestagswahl dürfte das wichtigste innenpolitische Ereignis des Jahres werden. Die Expertinnen und Experten der »Jungle World« verraten schon jetzt die amtlichen Endergebnisse.

Der Kanzler für alle
Das Ergebnis der Bundestagswahl 2021 gilt als größte Pleite der modernen Demoskopie, aber eigentlich kann man niemandem einen Vorwurf machen. Selbstverständlich stand »Team Jürgen Todenhöfer« nicht auf den Bögen der Umfrageinstitute, es können ja nicht alle antretenden Parteien abgefragt werden. Dass sich auch in der Rubrik »Sonstige« der überwältigende Wahlsieg Todenhöfers nicht andeutete, lag daran, dass niemand wirklich vorhatte, ihn zu wählen.

Aber als in der Kabine auf dem Wahlzettel plötzlich dieser Name auftauchte, da fiel den Deutschen die Entscheidung leicht. Die CDU-Wähler dachten: Ach, sieh mal, das ist doch eigentlich einer von uns, und immerhin ist es nicht dieser Merz. Die CSU-Wähler erinnerten sich an den »Strauß-Spezi« aus der guten alten Stahlhelmfraktion. Die SPD-Wähler befanden: Scholz wird ja eh nicht Kanzler, dann lieber den als Habeck. Die Wähler der Linkspartei dachten: Hey, das ist doch der Lafontaine-und Wagenknecht-Kumpel mit der Nachfolgebewegung von »Aufstehen«. Die Grünen-Wähler freuten sich: Mensch, der letzte Friedensaktivist, jetzt wo unser Ströbele nicht mehr da ist, für Multikulti ist er auch, und voll cool: drei Jahre Elternzeit! Die AfD-Wähler freuten sich über einen authentischen Gegner der »Polit-Elite«, der einem seiner Werbesprüche zufolge »zuerst dem Volk dient und nicht sich selbst«; und wer Pinochet und Assad den Älteren zu seinen Freunden zählte, der kann kein linksgrünes Weichei sein. Die FDP-Wähler dachten kurz und bündig: endlich jemand, der alle Steuern senkt.

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