Wen und was man alles adoptieren kann

Adopt a dream

Cocolumne Von

»Adoptiere einen Weihnachtsbaum!«, »Adoptiere einen Olivenbaum und erhalte dein extra natives Olivenöl direkt vom Erzeuger zu dir nach Hause!«, »Adoptieren Sie einen Schneeleoparden!«, »Adoptieren Sie ein Huhn und erhalten Sie täglich frische Eier direkt von Ihrem Huhn!«, »Adoptiere eine Kuh!«, »Virtuelle Adoption für Gänse. Dies ist ein perfektes Geschenk und kann direkt an Geschenkempfänger gesendet werden. Sie erhalten Adoptionszertifikat, Bild und Geschichte Ihres adoptierten Tieres«, »Adopt a wild koala!«, »Adopt a penguin for yourself or as a gift for a loved one!«, »Adopt a revolution!« Es gibt nichts, was Sie nicht adoptieren könnten.

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Mal geht es nur um eine charmante Form des Spendens, mal um die Imagination, man besitze irgendwo da draußen auf dem fernen Lande eine eigene Gans, die zu Weihnachten dann im eigenen Topf landet. Das ist praktisch. Sie können gemütlich in Prenzlauer Berg wohnen, Latte schlürfen und die Kinder zur Schule um die Ecke fahren und sind gleichzeitig Landwirt, Hühnerzüchter und Pinguinpapa oder -mama da draußen in der großen weiten Welt. Sie essen Eier aus eigener Produktion und braten das Steak einer Kuh, die Sie selbst auf einen hübschen Namen getauft haben. Es ist die Erfüllung des Städtertraums: Bauer sein, aber nicht um fünf Uhr aufstehen müssen, verbunden mit der Natur, aber ohne Gummistiefel und Güllematsch, im Frühstückscafé sitzen und gleichzeitig eine Schweinezucht betreiben. Sie können sich ganz auf die angenehmen Seiten des Landlebens konzentrieren: ein Apfelbrot backen, Schälchen töpfern, den Wintergarten dekorieren, einen Haarkranz flechten.

Ist so gesehen nicht auch jeder Kauf eine Adoption? Sie könnten zum Bäcker gehen und sagen: »Ich würde gerne drei Brötchen und zwei Croissants adoptieren.« Dann geben Sie den Backwaren originelle Namen, und wenn Sie sie verspeisen, denken Sie: Hach, wie schön, mein eigenes, selbstgetauftes Brot! So lässt sich Kapitalismus aushalten!

Natürlich können Sie auch einen Hund »adoptieren«, sprich: sich vermitteln lassen. Den haben Sie dann aber tatsächlich selbst an den Hacken. Und das ist der entscheidende Unterschied: Sie zahlen nicht nur einen Obolus und erhalten ein gutes Gewissen und gegebenenfalls ein Produkt, sondern Sie übernehmen Verantwortung für ein Lebewesen, dessen leibliche Eltern Sie nicht sind. Also fast wie bei der echten Adoption, der eines Kindes, nur dass es eben kein Artgenosse ist.

Übrigens adoptieren auch Tiere zuweilen Tiere anderer Art. Es gibt immer wieder Geschichten von Dackeln, die verwaiste Tigerjungen adoptieren, oder Löwen, die Antilopenkinder großziehen.

Kurzum: Im Grunde kann man alles und jeden adoptieren. Natürlich auch ganz klassisch Kinder. Nur für homosexuelle Paar wird es kompliziert, erst seit drei Jahren ist ihnen dies hierzulande möglich. In Ungarn wurde dieses Recht kürzlich sogar wieder abgeschafft. Einen Olivenbaum adoptieren dürfen Sie aber auch dort.