Frauentag ohne welke Blumen

Für mich soll’s verwelkte Rosen regnen

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Wie schön, dass der Frauentag nun in Berlin offizieller Feiertag ist. Gut, ein bisschen schlecht ist es natürlich schon, dass er ausgerechnet in die Lockdown-Periode fällt und auch sonst die Geschäfte nicht geöffnet wären, sonst wäre man beziehungsweise frau, natürlich, fast überall am 8.März besonders geehrt worden. Konkret: hätte von einem extra abgestellten Angestellten eine hoffentlich noch nicht übermäßig verwelkte Blume, in aller Regel eine Rose oder eine Nelke, in die Hand gedrückt bekommen. Auf einer durchschnittlich langen Shoppingtour würde in normalen Zeiten so einiges an Flora in unterschiedlichen Verwesungsstadien zusammenkommen. Und dann müsste man zu Hause erst mal diese eine, für solche Gelegenheiten passende und nur selten benutzte Vase suchen, ach, da hinten steht sie ja.

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Ebenso schlecht war es, dass der große Frauenfeiertag in diesem Jahr auf einen Montag fiel, was zu einer Vielzahl vorgezogener Deadlines führte, und zu vielen, vielen Zeichen zu ganz unterschiedlichen Themen, die nun vorab hurtigstmöglich getippt werden mussten. Langes Sitzen ist aber schlecht für den Rücken, und deswegen musste alle halbe Stunde aufgestanden und sich in der Wohnung bewegt werden, hier 250 Schritte und da, und 100, 101, 102, meine Güte, ist das langweilig. 250! Anschließend noch ein wenig mit diesen ausnehmend hübschen rosa Hantelchen hantiert – auch öde. Und dann wieder sitzen und tippen und aufstehen und herumlaufen und sich dauernd verzählen, weil man in Gedanken beim Text über diese Computerpionierin ist, 75, 76, 78. Vielleicht sollte ihr Leben doch besser nicht linear beschrieben werden? Hmmm. 194, 195, nein, das kann nicht stimmen. Was ein Elend.