Porträt - Juan Antonio Hernández, ­Bruder des honduranischen Präsidenten, bekam in den USA lebenslänglich

Vom Kongress in den Knast

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Mindestens 185 Tonnen Kokain soll Juan Antonio Hernández, genannt »Tony«, in die USA geschmuggelt haben; außerdem soll er zeitweise zwei Kokainproduktionsstandorte in Kolumbien und Honduras kontrolliert, Beamte bestochen, Waffen für Kartelle besorgt, Schmiergelder vermittelt haben und an zwei Morden beteiligt gewesen sein. Kein ungewöhnliches kriminelles Portfolio für eine Figur des internationalen Drogenhandels und ausreichend für eine lebenslängliche Haftstrafe – plus 30 Jahre. Dieses Strafmaß hat Ende März ein Gericht in New York verkündet, nachdem Hernández bereits im Oktober 2019 schuldig gesprochen worden war.

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Was den Fall des im November 2018 in Miami verhafteten Tony Hernández brisant macht, ist nicht nur die Tatsache, dass er von 2014 bis 2018 Kongressabgeordneter des rechtskonservativen Partido Nacional in Honduras war, sondern vor ­allem, dass sein Bruder, Juan Orlando Hernández, seit 2014 Präsident des zentralamerikanischen Landes ist. Der Prozess warf ein Schlaglicht auf die narcopolitics, die Verbindungen zwischen Politik und Drogenhandel. Tony Hernández soll mit Millionen aus dem Drogenhandel den Wahlkampf des Partido Nacional in Honduras 2013 finanziert haben.

In einem weiteren Prozess wegen Drogenschmuggels gegen den Honduraner Geovanny Fuentes sah es das Gericht als erwiesen an, dass der Drogenhändler Fuentes 2013 Bestechungsgelder an Juan Orlando Hernández gezahlt und dieser Fuentes angewiesen habe, seinem Bruder Tony direkt Bericht zu erstatten. Als Präsident stellt Juan Orlando Hernández sein Land offiziell als Partner der USA im Kampf gegen den Drogenschmuggel dar. Im Prozess gegen Fuentes sagte ein Zeuge indes aus, Juan Orlando Hernández habe Fuentes gegenüber davon gesprochen, »den Gringos die Nasen vollzustopfen«. Juan Orlando Hernández wies die Vorwürfe zurück und bezichtigte die Zeugen der Lüge. Honduranische Drogenhändler wollten sich an ihm rächen, da er sie bekämpfe. Die Nachricht vom Strafmaß für seinen Bruder nannte er auf Twitter »schmerzhaft«.