Die preisgekrönte Reportage: Die Umgestaltung der CDU

Die CDU soll toleranter werden

Kolumne Von

Hell lacht die Morgensonne über Düsseldorf, als Armin L. aus der Frühmesse rauscht. Der fröhliche Katholik hat derzeit einiges zu beichten: Irr­tümer und Fehleinschätzungen im Corona-Sommer, ein ominöser Maskendeal mit einem Luxus-Label, die Nähe zu einem homophoben Keuschheitsapostel in der Staatskanzlei. Pfarrer Anselm, der gerade rauchend aus der Sakristei schlendert, sieht’s gelassen: »Der Armin und ich, wir haben einen Mengenrabatt ausgehandelt. Zehn Vaterunser zählen so viel wie 25 Ave Maria. Sonst kommt der ja gar nicht mehr zum Regieren, vor lauter Bereuen, haha!«

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Es steht zu vermuten, dass L. diese Woche noch einige Beichttermine mehr ableisten muss. Denn klare Distanzierungen zu rechten Einzelpersönlichkeiten in der CDU wird es wohl nicht geben. »Ein Verschwörungsideologe als Chef der Werteunion, ein weiterer als Spitzenkandidat in Thüringen, das hinterlässt einen Nachgeschmack, den auch ein Dutzend verspeiste Hostien nicht zu überdecken vermögen«, sagt ein Vertrauter von L. Umso schwerer wiegt dessen Schweigen.

Steuert die CDU nach dem Mittekurs auf einen Rechtsruck zu? L. winkt ab und Erika S. zu. Die ehemalige Vertriebenenpräsidentin und jetzige Führerin der AfD-nahen Erasmus-Stiftung wartet in einem Straßencafé gegenüber auf ihn. »Mein Treffen mit Frau S. hat keinerlei politischen Hintergrund, wir ­haben uns über den Kleiderkreisel kennengelernt«, sagt L., um dann 20 Minuten schweigend mit S. am Tisch zu sitzen.

Die Trennung von der Werteunion dürfte L. weniger leicht fallen, so der CDU-Beobachter Romualdo Kainsmal: »Natürlich, in der Werteunion sind fast ausschließlich frustrierte Partei-Rechtsaußen, die Werbung für die AfD machen, um ihren Rausschmiss aus der CDU zu provozieren. Aber den Gefallen wird L. ihnen nicht tun.« Oder, wie es L. selbst bei Anne Will sagte: »Sie werden sich noch wundern, was die CDU alles tolerieren kann!«

Im Gespräch ist derzeit ein Duldungsministerium für den neuen Vorsitzenden der Werteunion ab September – volle Bezüge, Teilnahme an allen Kabinettssitzungen, aber kein eigenes Ressort. Laschet: »Tiefer kann man einen wie O. nicht demütigen!«

 

Aus der Urteilsbegründung: Leo Fischers preisgekrönte Reportagen sind in hohem Maße fiktiv. Ähnlichkeiten mit realen Personen und Geschehnissen sind unbeabsichtigt.