In einer Tasse Kaffee steckt sehr viel virtuelles Wasser

Richtig trinken

Cocolumne Von

Sie kennen es vielleicht: Manchmal trinkt man einfach zu wenig. Obwohl man weiß, dass der Körper Flüssigkeit gebrauchen könnte, will einem nicht so recht der Durst kommen oder man vergisst es. Bei Hunden ist es nicht anders. 35 Grad Außentemperatur, Coco hechelt seit Stunden, schleppt sich nur mühsam vorwärts, die Zunge hängt bis zum Boden, aber das angebotene Wasser lehnt sie ab. Sie trinkt nur, wenn es ihr genehm ist. Dann aber gerne einen ganzen Napf auf einmal.

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Hier ein lifehack für Sie: Eine Tasse Kaffee trinken ist wesentlich effektiver als ein Glas Wasser. Denn mit einer Tasse Kaffee nehmen Sie 140 Liter virtuelles Wasser zu sich. Jedenfalls wenn man die geläufigen Berechnungen zum sogenannten Wasserfußabdruck zur Grundlage nimmt. »Virtuelles Wasser« ist dabei die Menge, die über den gesamten Herstellungsprozess eines Produkts anfällt. So gesehen löscht es ­natürlich nicht Ihren Durst, Sie können es sich aber auf Ihren Wasserfußabdruck anrechnen lassen. Am meisten virtuelles Wasser, das hört man immer wieder, kommt bei der Produktion von Rindfleisch zusammen. Die Tierrechtsorganisation Peta etwa ruft aus: »Die unglaubliche Summe von 15 500 Liter Wasser für nur ein Kilogramm Rindfleisch! Mit dieser Wassermenge könnte man ein Jahr lang täglich ­duschen!«

Sie fragen jetzt vielleicht: Was? So viel trinkt eine Kuh? Was wird mit all diesem Wasser angestellt? Wo bleibt das alles? Wo kommt das her? Tatsächlich ist es so, dass es sich bei fast 95 Prozent dieser errechneten Wassermenge schlicht um Regenwasser handelt, das von oben auf die Weide- oder Futter­anbauflächen fällt. Wie Regen das eben so macht. Je größer die Fläche ist, auf der ein Vieh weidet, desto größer ist sein Wasserfußabdruck. Sprich, wenn Sie in Ihrer Ernährung auf nur ein Kilo Rindfleisch verzichten, haben Sie in ­Ihrer persönlichen Wasserbilanz tatsächlich 15 500 Liter gespart, es hat deswegen aber nicht einen Tropfen weniger geregnet. Das virtuelle Wasser ist eben sehr virtuell.

Coco ist ja ein Wasserhund, doch auch für sie ist Wasser nicht gleich Wasser. Am liebsten mag sie Schlammlöcher und dreckige Pfützen, in die sie sich hineinlegt. Am zweitliebsten mag sie Seen, in denen sie gerne ein paar Runden schwimmt. Swimmingpools oder im Garten liebevoll extra für sie mit frischem Wasser befüllten Planschbecken hingegen kann sie gar nichts abgewinnen. Messungen haben ergeben: Sie können gut und gerne zwei nichtvirtuelle große Biere trinken, während Sie vergeblich darauf warten, dass der Hund sich in die Plansche begibt. Dabei haben Sie dann übrigens gleichzeitig auch 300 Liter virtuelles Wasser konsumiert, das ist dreimal so viel wie reales Wasser in diese blaue Bademuschel passt, in der am Ende natürlich nicht der Hund sitzt, sondern Sie selber, aber das ist bei 35 Grad auch völlig okay so.