Homestory

Homestory #28

Die Redaktion Ihrer Lieblingszeitung ist immer noch im Home­office. Das hat den Vorteil, dass man seine Wohnung nicht verlassen muss, und den Nachteil, dass man sich nie vom Fleck bewegt. Vom heimischen Sofa aus tauscht man sich auch mit den Kolleginnen und Kollegen aus. Seit über einem Jahr kommunizieren wir vor allem über Messenger-Dienste und bei Telefonkonferenzen. Seitdem hat es, wie aufmerksame Leserinnen und Leser der Homestory wissen, schon einige Neuzugänge in der Redaktion gegeben – sie konnten viele ihrer Kolleginnen und Kollegen erst ­einmal nur als Stimmen ohne Körper kennenlernen. Deshalb, und weil sich manche Dinge doch am besten besprechen lassen, wenn man sich persönlich gegenübersitzt, versuchen wir, uns wenigstens gelegentlich unter freiem Himmel zu treffen. Im Hinterhof des ­Gebäudes, in dem die Redaktionsräume liegen, gibt es zum Glück genügend Platz, um einen Stuhlkreis zu bilden. Dort sitzen wir dann – unter Einhaltung des vorgeschriebenen Abstands, versteht sich – und diskutieren, was so ansteht, zum Beispiel die dies­jährige Auslandsreise. Das war zumindest der Plan vorige Woche.

Anzeige

Doch unsere Leserschaft aus Berlin wird es ahnen: Auch das ­Wetter ist diesen Sommer nicht immer so, wie man es gerne hätte. Nachdem im Juni noch alle Redaktionsmitglieder unter der Hitzewelle geächzt hatten, macht uns nun der hartnäckige Nieselregen zu schaffen. Am Morgen vor der geplanten Konferenz wurde noch herumdiskutiert, die verschiedenen Vorhersagen der unterschied­lichen Wetter-Apps wurden verglichen, doch irgendwann mussten wir uns der Realität stellen: Die Regenwahrscheinlichkeit in Kreuzberg lag bei 90 Prozent. Der Vernunft folgend entschlossen wir uns, zu Hause zu bleiben. Damit waren wir auf die gute alte Telefonkonferenz zurückgeworfen. Zu deren Beginn gab es erst einmal einen technischen Totalausfall. Manche Stimmen waren gar nicht zu hören, andere geisterten roboterhaft verzerrt durch den Äther, bevor sie irgendwann verstummten. Schuld war in diesem Fall die Telefonanlage im Büro, wo sich ja immer noch ein paar Kolleginnen und Kollegen regelmäßig die Stellung halten. Die Anlage ist nämlich ans Internet gekoppelt, und … – wir ersparen Ihnen weitere Details. Irgendwann funktionierte es jedenfalls wieder, und die Konferenz ging ihren gewohnten Gang. Geregnet hat es übrigens nicht. Wir und die Wetter-Apps sind wohl übervorsichtig gewesen.