Small Talk mit Martin Hawel über das Lieferportal Radkurier24

»Viele selbständige Kuriere würden für 10,50 Euro nicht arbeiten«

Das städteübergreifende Werbeportal Radkurier24 will in Konkurrenz zu Lieferdiensten wie Lieferando und Gorillas treten. Auf der Internetseite des Unternehmens können Kundinnen und Kunden den direkten Kontakt zu selbständigen Kurierinnen und Kurieren aufnehmen. Diese zahlen dem Portal keine Provisionen für die Vermittlung. Der Kundschaft soll mit diesem Modell der Zugang zum Sortiment des gesamten Einzelhandels ermöglicht werden. Die »Jungle World« sprach mit dem Unternehmer Martin Hawel, der Radkurier24 gegründet hat.
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Wie funktioniert das Portal?

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Die Kuriere melden sich als Selbständige auf dem Portal an. Kunden können dann auf Städtekarten mit einer Genauigkeit eines 200-Meter-Radius sehen, wo sich einsatzbereite Kuriere befinden. Diese können sie dann direkt kontaktieren – zum Beispiel via SMS oder Whatsapp. Geliefert wird alles, was in einen Rucksack passt und bis zu 15 Kilo wiegt. Bei den meisten Kurierdiensten müssen die selbständigen Fahrer Provisionen an die Vermittler zahlen, bis zu 30 Prozent ihrer Einnahmen. Das ist bei uns nicht der Fall. Die Leute bestimmen die Preise für die Lieferungen selbst und können alles behalten.

Wie viel kostet denn eine Lieferung?

Wie gesagt, das legen die Kuriere selbst fest, die fahren ja nicht für mich. In Berlin liegen die Preise zwischen 1,20 und 1,40 Euro pro Kilometer, teilweise zuzüglich einer Anfahrtspauschale. Das können die Kunden auf den Profilen der Fahrer einsehen und vergleichen.

Die Preise zu vergleichen, liegt aus Sicht der Kundschaft nahe – das klingt aber auch nach einer harten Konkurrenzsituation für die Selbständigen. Könnte es nicht hilfreich sein, sich kollektiv mit einem Mindestpreis abzusichern?

Ja, das wäre eine Idee, da mal einen Tarif festzulegen. Allerdings würden viele selbständige Kuriere wohl zum Beispiel für einen Mindeststundenlohn von 10,50 Euro wie bei Lieferando sowieso nicht arbeiten.

Was verdienen Sie an dem Unternehmen?

Leider noch gar nichts.

Was wäre denn der Nutzen für die Städte?

Stichwort CO2-Ausstoß: Die Lieferung mit dem Rad ist nachhaltig, sie schont die Umwelt und reduziert den Autoverkehr. Sie stärkt außerdem den Einzelhandel, also die Geschäfte und die Gastronomie einer Stadt. Kleinere Läden, die keinen eigenen Lieferdienst haben, können mit Rad­kurier24 eine Lieferung anbieten – jenseits großer Plattformen oder Online-­Supermärkte.

Auf der Homepage wird durchgehend von Kurieren im Maskulinum gesprochen. Arbeiten nur Männer über das Portal?

Es sind überwiegend Männer, aber nicht ausschließlich. Bei uns ist natürlich jede und jeder willkommen, egal welchen Geschlechts.

Geändert am 8.9.2021