Porträt: Adolfo Morganti will, dass Abtreibung in San Marino verboten bleibt

Adolfo gegen Abtreibung

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Ob da der Uterusneid aus ihm spricht? »Ich kenne die Leute und ihre Altersgruppe, wir haben es mit einem Paläofeminismus aus den Achtzigern zu tun, der aus linken Kreisen kommt«, schimpfte der Psychotherapeut Adolfo Morganti im Interview mit dem katholischen Online-Medium La Nuova Bussola Quotidiana über die Initiatorinnen des bevorstehenden Referendums zur Legalisierung von Abtreibung in San Marino. 3000 Unterschriften hatten die Befürworterinnen gesammelt, mehr als doppelt so viel wie nötig für ein Referendum – und das bei einer Bevölkerung von kaum mehr als 33500 Menschen. Am 26.September soll in der Republik San Marino, einer Enklave in Nordostitalien, darüber abgestimmt werden, ob Schwangerschaftsbrüche bis zur zwölften Woche legalisiert werden; danach sollen sie bei bestimmten Indikationen erlaubt werden, etwa wenn das Leben der Schwangeren in Gefahr ist oder der Fötus Anomalien aufweist. Der Zwergstaat San Marino, der kein Mitglied der EU ist, ist eines der letzten Länder Europas, in denen Abtreibung komplett verboten ist. Über 90 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner sind katholisch, die Gesellschaft gilt als sehr konservativ.

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Einen Anteil daran, dass der Konservatismus noch so stark ist, haben Menschen wie Morganti. Er gehört der rechtskonservativen Bewegung Paneuropa San Marino an und setzt sich mit dem erzkatholischen Komitee Uno di Noi (Einer von uns) vehement gegen die Legalisierung von Abtreibung ein. Uno di Noi zog jüngst mit einer Plakatkampagne Kritik auf sich, die unter anderem einen Jungen mit Trisomie 21 zeigte, zusammen mit dem Spruch: »Ich bin eine Anomalie. Habe ich deswegen weniger Rechte als du?« Zwar verweist dies auf einen Punkt, den auch Pro-Choice-Feministinnen problematisieren, die potentielle Selektion von Föten bei legalem Schwangerschaftsabbruch, doch dem Lebensschützermilieu geht es um mehr als die Wahrung von Menschenrechten Behinderter. So sorgt sich Morganti um die »christliche Identität von San Marino« und darum, dass der Vater nun nicht mehr mitbestimmen dürfe, obwohl doch die »Zeugung zentral für alle Funktionen der Familie« sei. Frauen selbst über sich und ihren Körper entscheiden zu lassen, fällt manchen in San Marino offenbar immer noch schwer. Erst seit 1964 dürfen Frauen dort überhaupt wählen.