Colleen Greens Album »Cool«

Coolness und Langeweile

Platte Buch Von

Ihr gefeiertes Album »I Want to Grow Up« von 2015 brachte der Kalifornierin Colleen Green das wohlmeinende Etikett, aber auch die Bürde ein, eine coole slacker queen zu sein. Am Power­pop von Alternative-Rock-Bands wie den Pixies und den Breeders geschult, lieferte Green eingängige Bubblegum-Melodien in Kombination mit lässig hingeschrammelten Gitarren.

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Auf dem neuen Album »Cool« sind die Gitarren dagegen etwas weniger verzerrt, auch der Gesang erscheint reduzierter, überhaupt kippt das ­unbefangene Songwriting von Green bisweilen vom Lässigen ins Langweilige. Lediglich die ersten beiden Singles ragen heraus: Bei »I Wanna Be a Dog« handelt es sich um eine augenzwinkernde Reverenz an den Proto-Punk-Klassiker »I Wanna Be Your Dog« von den Stooges, im Refrain sogar in einer an Iggy Pop erinnernden Intonation gesungen. Nur dass Green in den ­dazugehörigen Strophen fast schon ernsthaft durchexerziert, weshalb das Leben als Hund besser wäre: als Mensch sich mit der ­eigenen Leine um den Hals zu bremsen; zu viel grübeln, anstatt es sich sorgenfrei gemütlich zu machen ... dann doch ­lieber gleich ein Hund sein. Und überdies – die Freundschaft und Fürsorglichkeit zwischen Hund und Herrchen (oder Frauchen): »Never met any man that I could call my best friend / All day I laid around alone and waited for someone I knew to get home. (...) All I really want / Is somebody to tell me that I’m good«.

Die zweite Single »It’s Nice to Be Nice« verfügt wiederum über die schönsten Melodiebögen des Albums, zu denen Green darüber singt, wann ihre negative Grundstimmung wohl endlich wieder zugunsten von Freude verschwinden werde: »All I ever wanted was to be kind / These days I feel like I’m losing my mind«. Ihren Titel als slacker queen zu behaupten, dürfte Green mit der neuen Platte in diesem Herbst ­allerdings schwerfallen, da mit der arrivierten Courtney Barnett und der jungen Snail Mail (alias Lindsay Jordan) gleich zwei der größten Slackerinnen des derzeitigen Indie-Musikzirkus ebenfalls mit neuen Alben aufwarten und ordentlich Konkurrenz machen werden.

Colleen Green: Cool (Hardly Art)