Die Autorin glaubt nicht, dass das Anzünden ihres Autos die Revolution vorangebracht hat

Nachruf

Das Medium Von

Es ist ein nettes Auto gewesen. Gut, es war notorisch ungeputzt und auch schon sehr alt, aber in diesem Sommer fuhr es anstandslos nach Norwegen und wieder zurück, bis es nun, nach rund 18 Jahren und 180 000 zurückgelegten Kilometern, von Teilnehmern der »Køpi bleibt«-Demo abgefackelt wurde. Aber halt, das zu schreiben hat mir jemand auf Twitter explizit verboten, und wenn ich es doch tun würde, werde er sein Jungle World-Abo kündigen, teilte er mit.

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Nun sind die Zeiten, in denen irgendjemand bestimmen kann, worüber in dieser Kolumne geschrieben wird, definitiv noch nicht angebrochen, und daher kommen wir also jetzt wieder zu dem Auto, das nunmehr ein nach Benzin und Brand stinkender Totalschaden ist. Über den man aber nicht sprechen darf, wie mir nicht nur der Køpi-solidarische zukünftig ehemalige Jungle World-Abonnent auf Twitter mitteilte. Weil nichts den wundervollen Erfolg dieser Demo stören darf, mit der man es dem Kapital und seinen Schergen endlich mal wieder so richtig gezeigt hat, denn die beeindruckt das ja erfahrungsgemäß immer sehr, wenn uralte Autos von Leuten, die sich kein neues Gebrauchtes leisten können, zerstört werden.

Und nun ist die Kiste eben hin, und »die Trulla« ist selber schuld, was hat sie auch ein Auto und parkt es in Gegenden, durch die Leute ziehen, die einen teuren Firmenwagen nicht von einem armen alten, traurigen PKW unterscheiden können, und soll sie halt Fahrrad fahren, und wehe sie schreibt auch nur noch einen Tweet darüber, dann Abokündigung, und außerdem ist die Jungle World ja im Prinzip sowieso nix anderes als Springer.

Es ist ein nettes Auto gewesen, mit einem reichen Innenleben, das nun leider auch ruiniert ist, die wunderbare türkisfarbene Kachel zum Beispiel, die vor einigen Jahren im Renovierungsmüll des Exil-Anwesens des letzten amtierenden ägyptischen Königs in Italien gefunden wurde. Und die Sommersandalen und die Winterjacke, aber das ist ja nun wirklich mein Problem, denn die Revolution hat gesiegt. Oder so.