Hunde können bei Koalitionsverhandlungen hilfreich sein

Ein Hund für die Ampel

Cocolumne Von

Kürzlich musste ein Kleiner ­Parteitag die Zustimmung der Grünen für Koalitionsverhandlungen beschließen. 99 ­Delegierte hatten sich dazu im Westhafen Event & Conven­tion Center in Berlin versammelt, oder wie es Robert Habeck nannte: »unser kleines, grünes Wohnzimmer«. Der Tagesspiegel berichtet, dass man es sich gemütlich gemacht habe »bei Kaffee, ­Sojamilch und Apfelkuchen«. Eine Delegierte habe sogar ihren Hund mit­gebracht. Dass dieser als 100. Delegierter stimmberechtigt war, ist allerdings unwahrscheinlich.

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Es war auch nichts dran, als Bild 2018 titelte: »Dieser Hund darf über die Groko abstimmen«. Die Zeitung hatte damals per Online-Antrag die Hündin Lima in die SPD aufnehmen lassen, weshalb sie die Wahlunterlagen zur Mitgliederbefragung über den Koalitionsvertrag erhalten hatte. Es handelte sich selbstverständlich um eine »Fake-Mitgliedschaft«, wie die schwer erzürnte SPD erklärte. Und da Lima sicherlich nicht die eidesstattliche Versicherung hätte ausfüllen können, die den Abstimmungsunterlagen beigefügt werden musste, hätte sie auch nicht abstimmen können. Dass die Hündin an der Abstimmung teilgenommen habe, war also nur ein schlechter Scherz, auch wenn dies sicherlich so manchem Tierrechtler gefallen hätte.

Da Hunde von demokratischen Wahlen ausgeschlossen sind, ist es auch sinnlos, darüber zu philosophieren, welche Partei sie wählen und was sie zur Ampelkoalition sagen würden. Aber die Frage, ob ihre Anwesenheit bei Partei­tagen oder Koalitionsverhandlungen Einfluss auf deren Ergebnisse haben könnte, ist nicht ganz abwegig. Die Auswirkungen, die Hunde am Arbeitsplatz auf das Betriebsklima haben, sollen erstaunlich sein, so liest man immer wieder. Ein Bürohund fördere eine ­entspannte Arbeitsatmosphäre, den Austausch unter den Kollegen und insgesamt, so heißt es, die Konzentra­tion und die Produktivität.

Nachdem wir Hundehalter nun ja alle sehr geübt im Homeoffice sind und der Hund zum Bürohund wurde, ohne selbst ins Büro zu müssen, wäre es Zeit für eine neue Studie. Coco jedenfalls macht sich im Homeoffice wie folgt: Bis mittags schläft sie, nach der Mittagsrunde findet sie es nicht mehr gut, wenn ich telefoniere oder an Videokonferenzen teilnehme, ab drei fängt sie an, um ihr Abendessen zu betteln, das sie aber erst um 17 Uhr bekommt. Sprich, um vernünftige Arbeit zu ermöglichen, muss sie öfters mal ins ­andere Zimmer, allein. Ist sie damit noch ein Bürohund?

Nun stellt sich die Frage, ob, und wenn ja, welchen Einfluss ein solcherart bettelnder Hund auf die Koalitionsverhandlungen hätte. Die Stimmung soll ja eh schon super sein. Allerdings wäre es sicher gut, wenn jeder der taffen Verhandler mal einen Anlass hätte, zwischendurch einen kleinen Spaziergang zu machen, und sich ab und an mal ­bücken müsste, um ein Hundehäufchen aufzuheben. Das würde die ­Gespräche sicher etwas erden.