Homestory

Homestory #43

Eigentlich hätte ich mein Praktikum bereits im April vorigen Jahres machen sollen. Wegen der Covid-19-Pandemie wurde es dann aber dreimal verschoben, denn was nützt ein unbezahltes Praktikum, bei dem man die ganze Zeit im Homeoffice sitzt und nicht einmal Kontakte knüpfen kann? Irgendwann war mir das dann aber doch egal und ich beschloss, es einfach durchzuziehen. Ein paar Leute würden schon vor Ort sein, mit denen könnte ich ja quatschen.

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Das Praktikum selbst begann mit einer netten Führung durch die nahezu verlassenen Büroräume, in denen, wie man mir versicherte, nur ein einziger Redakteur ausharrte. Alle anderen – es waren insgesamt drei Personen anwesend – seien nur meinetwegen ins Büro gekommen. Ich nickte dem besagten Redakteur respektvoll zu und sagte: »Hallo, ich bin der Praktikant.«

Aber warum blieben alle anderen zu Hause? Warum ging nur selten jemand in die Redaktion? Etwas war hier faul. Mit investigativem Spürsinn – schon ganz Journalist – setzte ich mich zu einem der Kollegen, der meinetwegen gekommen war. Ich fand heraus, dass er ebenfalls noch nie in der Redaktion gearbeitet hatte. Er war in der Pandemie eingestellt worden. Das ist schon ein Ding, dachte ich mir.

Wenn man mich jemals nach meinem Praktikum bei der Jungle World fragen wird, wird das die einzige Geschichte aus dem Büro sein, die ich erzählen kann. Die restliche Zeit arbeitete ich von zu Hause aus. Nicht, dass ich nicht auch in die Redaktion hätte gehen können. Man hatte es mir sogar angeboten und der ausharrende Redakteur, den ich sofort sympathisch fand, war ja auch da. Doch es war zu Hause einfach zu bequem. Dort konnte ich ausschlafen. Erst wurde es neun, dann zehn und irgendwann elf Uhr.

Gar nicht so leicht, die Telefonkonferenzen der Redaktion nicht zu verpassen!

Jeder Arbeitstag begann damit, dass ich für eine Stunde mit dem Handy in der Hand auf dem Sofa lag, Nachrichten las und überlegte – fast wie ein richtiger Redakteur. Das war schön, denn um elf Uhr steht die Sonne in meinem Zimmer genau so, dass sie direkt auf mein Sofa scheint. Gegen zwölf Uhr ging es dann zum Business-Lunch beim Italiener um die Ecke. Nachmittags – das Wetter ließ es zu – setzte ich mich mit dem Laptop in den Park.

Wer denkt, dass ich nicht produktiv war, täuscht sich. Im Gegenteil: Ich durfte viele Sachen machen, womit ich nicht gerechnet hatte. Ohne den Stress der Anreise und mit ausreichend Schlaf fühlte ich mich so produktiv wie nie, und zudem schien auch noch durchgehend die Sonne. Eigentlich, dachte ich mir, kann ich die Redakteure, die stets im Homeoffice arbeiten, gut verstehen.