Der Roman »Alef« von Katharina Höftmann Ciobotaru

Aufarbeitung mit Herz

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In ihrem Roman »Alef« erzählt Katharina Höftmann Ciobotaru von der Liebe zwischen Maja und Eitan. Sie ist 1984 in der DDR geboren; er, Jahrgang 1977, in Israel. Im indischen Goa lernen sich die beiden kennen und lieben. Die Deutsche ist geplagt von Durchfall, der Israeli voll auf Ecstasy. »Alef«, nach dem ersten Buchstaben des hebräischen Alphabets, ist ein in weiten Teilen autobiographischer Roman. Die in Rostock geborene Autorin lebt heute mit ihrer Familie in Tel Aviv. Wie im Rausch und mit viel Sinn für die Abgründe der deutsch-israelischen Liebesbeziehung erzählt sie die Geschichte zweier unterschiedlicher Familien. Eitans Großmutter hat Theresienstadt überlebt, seine Großeltern väterlicherseits stammen aus dem Irak und mussten von dort nach Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung fliehen. Die Familiengeschichte von Eitan repräsentiert sowohl das multikulturelle Israel als auch die Verfolgungsgeschichte der Juden. Es fällt auf, mit welcher Wärme man sich in Eitans Familie begegnet.

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Anders geht es in Deutschland zu. Gerade tummelten sich Majas Eltern noch auf der bunten Bühne der Weltfestspiele in Ostberlin und träumten von der Reisefreiheit, dann ereignet sich auch schon die Wende. Während der Vater Angst vor all dem Neuen hat, sieht die Mutter die Chancen, die sich nun bieten. Es ist eine Familie aus lauter Einzelkämpfern. Auch herrscht protestantische Kälte, die immer wieder ins offen Rechtsextreme kippt. Wenn Maja und Eitan eine gemeinsame Zukunft haben wollen, gibt es einiges zu klären. Eitan wird seiner Liebsten den Antisemitismus austreiben, der »ihren Leuten« seit Jahrhunderten »tief in die DNA eingewoben« ist. Nicht zuletzt muss Maja ihren familiären Nazihintergrund aufarbeiten. Ob das Ende dieser nicht kitschfreien Liebesgeschichte ein Neuanfang ist oder doch nur Ausdruck einer neuen Spießigkeit, muss jeder Leser selbst entscheiden. Spaß macht die Lektüre auf jeden Fall, was vor allem an der geradezu Funken sprühenden Sprache liegt.

Katharina Höftmann ­Ciobotaru: Alef. Ecco-Verlag 2021, 415 Seiten, 22 Euro