Philipp Amthor am Blitzer-Pranger

Eine Soko für Herrn Amthor

Der CDU-Nachwuchspolitiker wurde geblitzt.
Die preisgekrönte Reportage Von

Jeremy Plön ist sichtlich stolz: »Diese Detailschärfe hätten wir vor fünf Jahren noch gar nicht erreichen können.« Der 31jährige Verkehrswachtmeister aus Backnang zoomt auf dem Monitor ein Bild heran: »Sehen Sie hier: Der Seitenspiegel links ist um elf Grad zu weit nach innen gedreht. So entsteht bei Amthor ein toter Winkel, der ihn potentielle Überholsituationen falsch einschätzen lässt.« Automatisch rechnet Plöns Programm das Blitzerfoto Philipp Amthors in eine 3D-Animation um: Amthors weitgetropfte Augen drehen sich nun um alle drei Achsen; gefärbte Polygone zeigen die möglichen Sichtachsen des CDU-Hoffnungsträgers. Mit nur wenigen Klicks kann Plön nachweisen, dass Amthors Fahrersitz zu hoch eingestellt war und er daher auch den Rückspiegel nicht richtig sehen konnte. »Allein dafür sind ihm schon zwei Punkte in Flensburg sicher.«

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Plön hat gut lachen: Schon über 200 Verkehrsvergehen kann die Soko »Enkeltrick« dem 29jährigen Jungpolitiker nachweisen. Über 24 Beamte waren beschäftigt, um Amthors Raserfoto von voriger Woche auszuwerten. »Wir haben dazu sogar Kollegen von der Antikorruptionseinheit des BKA abgezogen. Also alle beide!« Allmählich verdichtet sich das Bild: Philipp Amthor ist nicht nur ein skrupelloser Populist, der gegen Minderheiten aufstachelt und sich über Staatsaufträge an Augustus Intelligence schamlos bereichern wollte. Nein, Amthor ist auch ein rücksichtsloser Autofahrer. »Das wird ihm irgendwann das Genick brechen«, ist sich Plön sicher.

Für die 120 Kilometer pro Stunde, wo eigentlich nur 50 erlaubt sind, hat Amthor vor wenigen Tagen die Höchst­strafe kassiert: 450 Euro Strafe und einen Monat Führerscheinentzug. »Der Rechtsstaat funktioniert«, frohlockt Plön. »Von nun an weiß die wahlberechtigte Bevölkerung, dass dieser Mann gerne mal zu schnell fährt, wenn er Steuergeld in Briefkastenfirmen umleitet.« Auch ein anderer disziplinierender Effekt tritt unverzüglich ein: »Amthors PKW-Versicherungen werden ihre Prämien bereits angepasst haben.« Was Plöns nächstes großes Projekt ist? »Wir haben Hinweise darauf, dass die künftige Regierende Bürgermeisterin von Berlin beim Überholen gerne mal aufblitzt. Details möchte ich wegen der Brisanz des Falls aber vertraulich halten.«

 

Aus der Urteilsbegründung: Leo Fischers preisgekrönte ­Reportagen sind in hohem Maße fiktiv. Ähnlichkeiten mit realen Personen und Geschehnissen sind unbeabsichtigt.