Die Wiedereinsetzung des zivilen Ministerpräsidenten durch die sudanesische Junta ist umstritten

Hamdoks Comeback

Das Zugeständnis der Putschisten, Ministerpräsident Abdalla Hamdok ins Amt zurückkehren zu lassen, stößt in der Protestbewegung im Sudan nicht auf Begeisterung.

Einen Monat nach der Machtübernahme des Militärs im Sudan einigten sich am 21. November der Putschistenführer General Abdel Fattah al-Burhan und der von ihm gestürzte Ministerpräsident Abdalla Hamdok in einem Abkommen darauf, dass dieser wieder sein Amt übernehmen könne. Was einerseits einen Erfolg der seit dem Putsch am 25. Oktober täglich stattfinden Proteste und Streiks darstellt, stößt andererseits in der Protestbewegung auf wenig Begeisterung.

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In den vier Wochen der Militärherrschaft hat sich auch die Demokratiebewegung reorganisiert und ist in ihren Zielen weit über die ursprünglich geforderte Rückkehr zum Zustand vor dem Putsch hinausgegangen. Große Teile der Protestbewegung wollen nun die Militärangehörigen ganz aus der Übergangsregierung drängen und sind nicht mehr mit dem Kompromiss von 2019 zufriedengeben, der eine gemeinsame zivile und militärische Übergangsregierung vorsah. Hamdok wird für sein Abkommen vom überwiegenden Teil jener Bewegungen, die ihn 2019 nach dem Sturz des langjährigen Präsidenten Omar al-Bashir erst ins Amt als Übergangsministerpräsident gebracht haben, scharf kritisiert. Auch wenn manche noch hoffen, Hamdok verfolge einen Plan, durch die Rückkehr ins Amt die Militärführer loszuwerden, werfen ihm viele Verrat vor.

Ihres Zeichens Revolutionärin der ersten Stunde im Frühjahr 2019, war die Feministin Merwat Hamad al-Nil die einzige Frau im Team der in den Forces of Freedom and Change (FFC) zusammen­geschlossenen Opposition, das mit den Putschisten, dem sogenannten Militärischen Übergangsrat, Verhandlungen führte. Sie spricht Hamdok jegliche Legitimität ab, mit Burhan ein Abkommen zu schließen: »Solche Abkommen versuchen den Putsch zu legiti­mieren, da sie eine Situation schaffen, die auf dem Putsch basiert. Sowohl das Abkommen als auch der Putsch müssen zurückgenommen werden.«

Da die FFC das Abkommen Burhans mit Hamdok nicht akzeptieren, gehen die Proteste weiter. Auch am Samstag kam es, wie an ­allen Samstagen seit dem Putsch, wieder zu einer Massendemonstration in Khartoum, bei der erneut der »Sturz des Regimes« gefordert und auch das Verhalten Hamdoks kritisiert wurde. Aus Sicht vieler Demonstrierender ist Hamdok zu einem Feigenblatt des ­Regimes geworden. Als Beleg für diese These wird herangezogen, dass am Sonntag auch nach der Verkündigung des Abkommen noch zwei Demonstranten von Regimekräften getötet worden waren. Am heutigen Donnerstag soll ein »Märtyrertag« stattfinden, an dem der bislang 42 Demonstrierenden gedacht werden soll, die seit dem Putsch getötet wurden.

Hamdok verteidigte sein Abkommen mit Burhan mit dem Argument, er wolle »das Blutvergießen beenden« und »die Errungenschaften der letzten beiden Jahre nicht vergeuden«. Auch wenn manche Sudanesinnen und Sudanesen immer noch viel von Hamdok halten, so ist doch auch unübersehbar, dass er das Vertrauen großer Teile seiner Basis verloren hat. Diese ist weiterhin gut ­organisiert und will nun den Widerstand so lange fortsetzen, bis eine rein zivile Übergangsregierung gebildet wird.

Während in der Hauptstadt Khartoum weiter protestiert wird, spitzen sich auch Konflikte in anderen Regionen des Sudan zu. Mindestens 43 Menschen kamen seit dem 17. November bei Auseinandersetzungen zwischen bewaffneten Viehhaltern im Berggebiet Jebel Moon in Westdarfur ums Leben. Mindestens 46 Dörfer wurden den UN zufolge niedergebrannt, über 4 300 Menschen flohen, meist in den benachbarten Tschad. Auch im Nordosten, an der Küste des Roten Meeres, kam es erneut zu Konflikten, Teile der dort ansässigen Bevölkerungsgruppe der Beja fühlen sich von der Zentralregierung in Khartoum im Stich gelassen.