Israel schwächt den vom Iran ge­förderten Islamischen Jihad im Gaza-Streifen

Friendly Fire vom Islamischen Jihad

In einer 66stündigen Militäroperation hat die israelische Armee der vom Iran unterstützten Terrororganisation Palästinensischer Islamischer Jihad eine schwere Niederlage zugefügt. Die Hamas hielt sich aus dem Konflikt heraus.

Knapp eine Woche nach dem Ende der »Breaking Dawn« (Morgengrauen) genannten 66stündigen Operation der israelischen Streitkräfte gegen den Palästinensischen Islamischen Jihad (PIJ) im Gaza-Streifen wurde ein Briefwechsel zwischen dem in Syrien lebenden Generalsekretär der Terrororganisation, Ziyad al-Nakhalah, und dem Obersten Führer des Iran, Ali Khamenei, öffentlich. Darin beglückwünschten die beiden sich der iranischen Nachrichtenagentur Fars zufolge dazu, »den Feind zermalmt« zu haben.

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Khamenei schrieb demnach, der Schlagabtausch habe die »Solidarität im Jihad des palästinensischen Volkes gegen den böswil­ligen, trügerischen Feind« bewiesen und dem PIJ viel Ehre eingebracht. Al-Nakhalah entgegnete: »Dieser Kampf machte die Erwartungen des zionistischen ­Regimes so sehr zunichte, dass es sich nach nur drei Tagen gezwungen sah, um einen Waffenstillstand zu bitten und die vom Widerstand festgelegten Bedingungen zu akzeptieren.«

Mit der Realität haben diese Äußerungen nichts zu tun. Während ein Großteil der PIJ-Führung im Gaza-Streifen von der israelischen Armee verhaftet oder getötet wurde und sich die in Gaza herrschende Hamas keineswegs solidarisierte, sondern die Organisation vielmehr zur schnellen Annahme eines Waffenstillstands drängte, hatte Israel nur wenige Verletzte und einen vergleichsweise geringen Sachschaden zu beklagen. Nach Angaben der israelischen Streitkräfte fing das Abwehrsystem Iron Dome rund 380 Raketen des PIJ ab, knapp 600 Geschosse gingen in unbewohntem Gebiet nieder. Etwa 200 Raketen schlugen auf palästinensischem Territorium ein, dadurch wurden mehr Zivilisten getötet – darunter zwölf Kinder – als durch israelisches Feuer.

Der Palästinensische Islamische Jihad wurde 1981 gegründet und hat seitdem zahlreiche Selbstmordattentate, Bombenanschläge und Raketenangriffe auf Israel ausgeführt. Tätig ist er vor allem im Gaza-Streifen und in Teilen des Westjordanlands. Wie die Hamas ist auch der PIJ vom Iran abhängig; Generalsekretär al-Nakhalah war am Samstag während der Operation »Breaking Dawn« zu Besuch in Teheran und traf dort den Oberkommandierenden der mächtigen Revolutionsgarden, General Hossein Salami. Dieser sagte Reuters zufolge im iranischen Staatsfernsehen: »Die Israelis werden noch einen wei­teren hohen Preis für ihr jüngstes Verbrechen zahlen.« Der PIJ tritt noch radikaler auf als die Hamas, die im Gaza-Streifen zumindest gewisse Rücksichten nehmen muss, weil sie für die Versorgung der Bevölkerung zuständig ist.

Israelische Sicherheitskräfte gehen immer wieder gegen den PIJ vor, um Anschläge zu verhindern. Bei der jüngsten Militäroperation nahmen sie in Jenin zunächst den Anführer und weitere Kader des PIJ im Westjordanland fest. Die Terrororganisation drohte daraufhin mit Anschlägen auf Israel vom Gaza-Streifen aus. Die israelische Luftwaffe ging schließlich in die Offensive: Sie tötete erst den Kommandeur des PIJ im Norden des Gaza-Streifens, Tayseer Jabari, und in der zweiten Nacht den Kommandeur des PIJ im Süden des Küstenstreifens, Khaled Mansour. Dabei bemühten sich die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) nach eigenen Angaben, Kollateralschäden so weit wie möglich zu vermeiden: Bei Jabari setzten sie demnach eine kleine Gleitbombe ein, die erst in dessen Wohnung explodierte. Den Angriff auf Man­sour hätten sie mehrmals verschoben, weil zunächst Kinder in der Nähe des Hauses, in dem er sich aufhielt, gespielt hätten.

Als es am Abend des 7. August schließlich zu einem Waffenstillstand kam, hatte Israel sein Ziel erreicht. Die IDF erklärten, der Palästinensische Islamische Jihad und seine Führung seien »erheblich geschwächt« worden. 24 Terroristen des PIJ seien getötet worden, von den 27 palästinensischen Zivilisten, die ebenfalls ums Leben kamen, sei die Mehrheit durch Raketen des PIJ zu Tode gekommen. Die Operation »Breaking Dawn« ließ zudem deutlich werden, dass die Terrororganisation in den palästinensischen Gebieten weitgehend isoliert ist – das macht ihre Niederlage noch schwerer. Außerhalb des Gaza-Streifens gab es für den PIJ und seine Herren im Iran keinerlei Unterstützung, in Gaza selbst beteiligten sich nur einige kleinere Terrorgruppen am Raketenbeschuss. Die Hamas hingegen nahm nicht an der Auseinandersetzung teil und drängte den PIJ vielmehr dazu, sie schnell zu beenden.

Die Hamas sah keinen Anlass, die terroristischen Aktivitäten ihres Rivalen zu unterstützen – was auch daran liegen dürfte, dass ihre Erinnerungen an den Mai 2021 noch präsent sind. Damals hatte sie einmal mehr einen Krieg gegen Israel zu verantworten, der ihr und der Bevölkerung im Gaza-Streifen heftige Verluste und Schäden eintrug. Seitdem hat sie auf neuerliche Angriffe weitgehend verzichtet, Israel hat im Gegenzug die Zahl der Arbeitserlaubnisse für Bewohner des Gaza-Streifens erhöht und Reiseerleichterungen für Palästinenser angekündigt, die vom Flughafen Ramon im Süden Israels aus ins Ausland fliegen wollen. Auch für sie ist die Niederlage des PIJ eine gute Nachricht.