Der ägyptische ­Menschenrechtsaktivist Alaa Abd al-Fattah ist in Dauerhaft

Feind der Machthaber

Der inhaftierte ägyptische Menschenrechtsaktivist Alaa Abd al-Fattah hatte kurz vor der Klimakonferenz COP27 in Sharm el-Sheikh nach über 200 Tagen im Hungerstreik auch aufgehört zu trinken. Er protestiert damit gegen seine Behandlung im Gefängnis und dagegen, dass Vertreter Großbritanniens ihn nicht besuchen dürfen, obwohl er seit einem Jahr auch die britische Staatsbürgerschaft besitzt. Während hochrangige Staatschefs die Zukunft des Weltklimas besprechen, wird al-Fattah im Gefängnis Wadi al-Natrun vermutlich zwangsernährt. Seit 2019 ohnehin inhaftiert, verbüßt er dort seit 2021 eine fünfjährige Haftstrafe, weil er in sozialen Medien einen Beitrag über Folter in Ägypten teilte. Seine Schwester Mona Seif, die ebenfalls politisch aktiv ist ist, bat den britischen Premierminister Rishi Sunak um Hilfe; dieser hat nach Angaben der britischen Regierung dem Präsidenten Ägyptens und Oberhaupt der Militärdiktatur, Abd al-Fattah al-Sisi, seine »tiefen Sorgen« über den Fall mitgeteilt.

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Am Dienstag twitterte Mona Seif, ihr Bruder habe in einem Brief an seine Familie geschrieben, er befinde sich »nicht mehr im Hungerstreik«. Es liegt offenbar in seiner Familie, sich mit allen Autokraten Ägyptens anzu­legen: Al-Fattahs Vater Ahmed Seif al-Islam war ein bekannter Menschenrechtsanwalt, der 2008 für die Freilassung wegen eines Streiks inhaftierter Arbeiter kämpfte. Al-Fattahs Mutter Laila Soueif ist Mathematikprofessorin, die seit den Siebzigern gegen die Herrscher des Landes agitiert. Auch seine zweite Schwester Sanaa Seif ist eine prominente Menschenrechtlerin und wiederholt in Hungerstreik getreten.

Mit seiner Ehefrau Manal Bahey al-Din Hassan gründete al-Fattah die Weblogs Manalaa und Omraneya, auf denen sie sich für Meinungsfreiheit aussprechen. Er riskierte regelmäßig den Unmut der Obrigkeit und wurde mehrfach inhaftiert. Bisher wollte noch jeder Machthaber ihn verstummen lassen, auch der 2011 gestürzte Alleinherrscher Hosni Mubarak und der islamistische Präsident Mohammed Mursi (2012–2013). Bereits 2017 schrieb al-Fattah in einem Beitrag: »Ich bin im Gefängnis, weil die an der Macht ein Exempel statuieren wollen. Lasst uns ein Exempel sein, aber zu unseren Bedingungen, in der Hoffnung, denjenigen zu nutzen, die in diesem Zeitalter des Postfaktischen noch immer für Vernunft kämpfen.«