Die Vizepräsidentin des Europaparlaments, Eva Kaili, wurde abgesetzt

Lange Haare

Die Griechin Eva Kaili ist seit Anfang des Jahres Parlamentsvizepräsidentin. Nun wurden ihre Räume durchsucht, weil sie Bestechungsgelder angenommen haben soll.
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Eva Kaili gilt als »das Gesicht« des größten Korruptionsskandals des EU-Parlaments. Die Griechin, seit Anfang des Jahres Parlamentsvizepräsidentin, soll von Katar bestochen worden sein. Nach einer Reise dorthin hatte die 44jährige gesagt, das Land sei »Vorreiter in Sachen Arbeitsrechte« und stimmte im Europaparlament für erleichterte Visa-Regeln für Katar. Gegen sie laufen Ermittlungen wegen Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung, Geldwäsche und Korruption. Kürzlich gab sie zu: »Ich wusste, dass in meinem Haus Koffer voller Geld waren.« Am 13. Dezember verlor sie ihr Amt als Parlamentsvizepräsidentin.

Mit 20 Jahren wurde Kaili 1998 Stadträtin Thessalonikis. Nach einem Abschluss in Architektur hängte sie ein Studium der Internationalen Beziehungen und eine Ausbildung zur Journalistin dran. 2004 wurde Kaili Nachrichtensprecherin, 2007 die jüngste Abgeordnete und Hoffnungsträgerin der sozialdemokratischen Partei Pasok. Der Spiegel nannte sie 2011 »die Weitsichtige«, berichtete aber auch, dass es wegen ihres Aussehens und ihrer langen blonden Haare öfter »Geraune« gegeben habe; Kaili sei als »Schlampe« angefeindet worden. Sie galt auch als »Querkopf« innerhalb der Pasok. 2014 wurde sie ins EU-Parlament gewählt. Als 2019 der Namensstreit mit Nordmazedonien beigelegt wurde, twitterte sie von einem »irreparablen Schaden für die Geschichte, Mazedonien und die Griechen«, was eher nach der konservativen Regierungspartei Nea Dimokratia (ND) klang. Sie sagte auch, Sozialleistungen seien etwas »für Faulenzer«.

Auch ihr Lebensgefährte und Vater ihrer Tochter, Francesco Giorgi, den die Bild-Zeitung ihren »Liebhaber« nennt, sitzt in U-Haft. Kaili gab zu, von seinen Geschäften mit dem ehemaligen Europaabgeordneten Pier Antonio Panzeri gewusst zu haben, der als Kopf in der Betrugsaffäre gilt, über den aber kaum berichtet wird. Die Pasok warf sie nun raus, ihr Verhalten wirke »wie ein trojanisches Pferd« der ND. Mittlerweile durfte sich wohl jeder, der schon mal in Brüssel eine Portion belgische Pommes aß, zur Affäre äußern, bis hin zum Europabeauftragten des Bundes Deutscher Steuerzahler, Michael Jäger: »Der Fall Kaili ist ein Tiefschlag für die europäischen Steuerzahler!«. Für die Bild-Zeitung ist Kaili nur noch die »Schmiergeld-Griechin«.