Wo Milch und Kompot fließen
Um als Nichteinheimischer in Polen auf die traditionelle Küche wie bei Oma zu stoßen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die günstigste sind wahrscheinlich die Milchbars. Die bar mleczny steht in Polen für preiswertes, deftiges Essen. Die Kantinen sind Teil der Alltagskultur und in Warschau an fast jeder Ecke zu finden. In den neunziger Jahren wurden viele Milchbars geschlossen, mittlerweile erleben sie aber eine veritable Auferstehung. Zu Zeiten des Sozialismus wurden die beliebten Gaststätten vom Staat subventioniert, das ist heutzutage nicht mehr immer der Fall. Betrieben werden die Milchbars vereinzelt von Ketten, meistens aber als einzelne Familienbetriebe.
Um zu erkennen, ob es sich um staatlich geförderte Milchbars handelt, muss man schon genauer hinschauen. Ein Indiz ist, wenn komplett krumme Preise an der jeden Tag neu geschriebenen Tafel oder dem stylischen Schriftbaukasten stehen – zum Beispiel 13,54 Złoty (umgerechnet etwa drei Euro) für eine Portion Gołąbki mit Reis in Tomatensauce, eine Kohlroulade mit den dazugehörigen Beilagen. Auf der Rechnung wird alles einzeln aufgeführt: 9,31 Złoty für die Kohlroulade plus 1,23 für die Tomatensauce sowie drei Złoty für den Reis.
Die finanzielle Unterstützung des Staates umfasst eine Rückerstattung von bis zu 40 Prozent des Betrags, der für den Kauf unverarbeiteter Produkte ausgegeben wurde, wobei die Marge 30 Prozent für vegetarische Gerichte nicht überschreitet. Es wird also um jeden Groschen gekämpft und falls man vergisst die Zutatenliste in bürokratischer Ordnung dem Staat zu melden oder fehlerhafte Angaben auf der Karte macht, wie zum Beispiel eine Zutat vergisst, wird diese nicht mehr subventioniert, oftmals mit der Folge, dass die Milchbar schließen muss.
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