Jungle+ Artikel 23.01.2025
Was Marx über Russland dachte

Marx gegen Moskau

Karl Marx befand sich in einer »Fundamentalopposition zum russischen Staat« – so formuliert es Timm Graßmann, Editor bei der Marx-Engels-Gesamtausgabe, in seinem Buch »Marx gegen Moskau«. Marx, der Russlands Außenpolitik in Analogie zum Kapital als alles Bestehende verschlingend sah, analysierte die russische Autokratie früh. Vor allem seine Gedanken zum Krimkrieg (1853–1856) erscheinen angesichts von Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine erstaunlich aktuell.

Im Handgemenge mit den russischen Übergriffen

Marx nahm nicht erst seit dem Polnischen Aufstand von 1863 regelmäßig an Polenkongressen teil. Schon dem Krakauer Aufstand von 1846 sprach er 1848 bei einer Gedenkfeier in Brüssel seine Anerkennung dafür aus, »ganz Europa ein ruhmreiches Beispiel« gegeben zu haben, da er »die Sache der Nation mit der Sache der Demokratie und der Befreiung der unterdrückten Klasse identifizierte«. In Polen, stellte Marx damals fest, war »die politische Frage mit einer sozialen verknüpft«, da seine Unabhängigkeit nicht ohne Agrarrevolution und Abschaffung der feudalen Verhältnisse zu haben sei. Da eine Wiederherstellung Polens insbesondere der Heiligen Allianz aus Preußen, Österreich und Russland den entscheidenden Schlag versetzen würde – der gemeinsame Raub Polens war der Kitt, der dieses Zentrum der Reaktion zusammenhielt –, war sie die oberste Priorität der Außenpolitik von Marx und Engels in der Revolution von 1848/49.

Noch kein Abonnement?

Um diesen Inhalt zu lesen, wird ein Online-Abo benötigt::