Die Mystik weicht
Es gibt in der Musikszene ein Sprichwort, das lautet: »Das zweite Album ist das Schwerste.« Die britische Sängerin, Produzentin, Tänzerin und Schauspielerin FKA Twigs beweist mit ihrem neuen Album »Eusexua«, dass es manchmal auch das dritte sein kann.
Der Titel, ein Kofferwort aus Euphorie und Sex, gibt den thematischen Rahmen für das neue Album vor. »Eusexua« soll das Gefühl beschreiben, nach Stunden im Club müde, aber glücklich die Heimreise anzutreten. Und so klingt das Album dann auch: Flirrende Vocals und Basslines erinnern an die Prager Rave-Szene; Twigs hatte einige Monate in der Stadt gelebt und die Technoclubs erkundet – eine für sie einschneidende Erfahrung. Der Titeltrack, das experimentelle »Drums of Death« oder »Room of Fools« zeigen wohl nicht zufällig eine neue, befreitere Seite der Musikerin.
Flirrende Vocals und Basslines erinnern an die Prager Rave-Szene; Twigs hatte einige Monate in der Stadt gelebt und die Technoclubs erkundet – eine für sie einschneidende Erfahrung.
Ebenso neu im Repertoire sind die poppigeren Songstrukturen. So erinnert »Girl Feels Good« stark an Madonna zu Zeiten von »Ray of Light«, und auch »Perfect Stranger« schlägt in die Pop-Kerbe. In der zweiten Hälfte des Albums wiederholen sich hauptsächlich alte Ideen (»Sticky«). »Striptease« punktet mit Drum-’n’-Bass-Elementen, kann aber insgesamt nicht überzeugen. »Childlike Things« ist extrem eingängig, es irritiert aber der Gast-Part von Kardashian-Tochter North West, die seltsam religiös auf Japanisch rappt.
»Eusexua« ist mehr Pop, mehr Mainstream und viel weniger Mystik, als man es von FKA Twigs gewohnt ist. Die stärkeren Tracks zeigen eine spannende Weiterentwicklung, doch die fehlende Kohärenz und abnehmende Qualität in der zweiten Hälfte lassen das Album unfertig wirken. FKA Twigs scheint noch zwischen altem Sound und neuem Selbstverständnis festzustecken. »Eusexua« bleibt ein Experiment, das auf ein kohärenteres viertes Album hoffen lässt.

FKA Twigs: Eusexua (Young Recordings)