Liebe ist alles
Ein an die Wand geklebtes Kaugummi des Liebsten, das wie ein Herz zu schlagen beginnt. Ein so was von verknallter Teenager, der zwei Kartons des Lieblingsnachtischs seiner Angebeteten stiehlt, um ihr die Speise in der Schulmensa unter dem Applaus der Mitschüler:innen zu kredenzen. Eine gemeinsam erlebte Sonnenfinsternis, die den Unruhestifter Clotaire und die schlagfertige Jackie für immer verbindet. Ein imaginärer Tanz, der den Gefühlswahnsinn ihrer amour fou versinnbildlicht. Ein stimmiger Achtziger-Jahre-Soundtrack von The Cure über Prince bis hin zu Falco.
Überwältigender Liebesfilm
Aber auch ausufernde Gewaltszenen, wenn Arbeiterkind Clotaire seine Aggressionen nicht unter Kontrolle bringt. Und sich letztlich mit Gangstern einlässt und unschuldig für zehn Jahre im Knast landet. Unterdessen geht Jackie beinahe an ihrem Liebeskummer zugrunde.
Gilles Lellouche kleckert nicht, sondern klotzt in seinem überwältigendem Liebesfilm »Beating Hearts«. Das fast dreistündige Epos, natürlich aus Frankreich, natürlich im Cinemascope-Format, schrammt haarscharf und mit vollem Tempo trotz alledem an fast allen Klischees vorbei. Wer jemals wild at heart war, wird dieses toll fotografierte und gespielte Drama lieben.
Bleiben wir bei der Liebe. Immer wieder erzählt Hayao Miyazaki in seinen Filmen aus dem japanischen Zeichentrickfilmstudio Ghibli von der grauenvollen Zerstörungswut des Kriegs. So auch in seinem oscarnominierten Animationsfilm »Das wandelnde Schloss« aus dem Jahre 2004, in dem eine junge Frau, just als sie sich gerade in den schönen Zauberer Hauru verliebt hat, von einer eifersüchtigen Hexe verflucht und in eine 90jährige Greisin verwandelt wird.
Immer wieder erzählt Hayao Miyazaki in seinen Filmen aus dem japanischen Zeichentrickfilmstudio Ghibli von der grauenvollen Zerstörungswut des Kriegs.
Sie macht sich auf den Weg ins Niemandsland und findet zufällig Zuflucht in dem titelgebenden Schloss, in dem der eitle Schönling wohnt. Draußen tobt mal wieder ein sinnloser Krieg, dem auch die Liebe ihres Lebens beinahe zum Opfer fällt. Und wie bei vielen Studio-Ghibli-Filmen wird man durch die Musik des japanischen Komponisten Joe Hisaishi tief in die Geschichte hineingesogen.
Vorige Woche verzauberte das Simple Music Ensemble World in der Philharmonie das Publikum mit Musik aus diesem Film. Die ist so weltumspannend wie bittersüß, an Klassik wie am Broadway geschult und klingt genauso europäisch wie amerikanisch oder japanisch. Wirklich erstaunlich ist, wie gut die Scores aus der Ghibli-Welt, die in ihrer eigenartigen Psychedelik irgendwo zwischen »Alice in Wonderland« und »Heidi« weltweit die Menschen verzaubern, auch ohne die Filme funktionieren.