Jungle+ Artikel 03.04.2025
Ausländische Saisonarbeiter werden in Deutschland oft um ihren Lohn betrogen

Der Dank für die Ernte

Eine Viertelmillion Saisonarbeiter:innen arbeiten jedes Jahr auf ­deutschen Äckern. Das Arbeitsrecht wird dabei systematisch umgangen. Der jüngste Bericht der Initiative Faire Landarbeit legt einen Schwerpunkt auf die Wucherpreise, die viele Saison­arbeiter:innen für Unterkunft und Verpflegung zahlen müssen.

Der Münchner Bezirk Altstadt-Lehel gilt als eine der exklusivsten Wohngegenden der Republik. Wer hier zur Miete lebt, muss laut Immobilenscout24 durchschnittlich 24,13 Euro pro Quadratmeter zahlen.

Es gibt aber durchaus Möglichkeiten, in Deutschland noch teurer unterzukommen – zum Beispiel in einem Container neben Spargeläckern und Erdbeerfeldern. »Wuchermieten für Unterkünfte sind in der Landwirtschaft zur Normalität geworden«, bilanziert die Initiative Faire Landarbeit (IFL) in ihrem jüngst veröffentlichten Jahresbericht für 2024. Demnach arbeiten pro Jahr circa eine Viertelmillion Menschen aus dem Ausland auf deutschen Feldern – und viele von ihnen zahlen dabei Mietpreise von 30 bis 60 Euro pro Quadratmeter.

Die bezogenen Unterkünfte sind jedoch keineswegs luxuriös. In nicht nach Geschlechtern getrennten Mehrbettzimmern kommen der IFL zufolge teils sechs oder zehn, in Extremfällen bis zu 14 Personen unter; die in den Arbeitsstättenregeln vorgeschriebenen sechs Quadratmeter Schlafplatz pro Kopf würden dabei vielfach nicht eingehalten. In einem Fallbeispiel aus Bayern standen 100 Beschäftigten zwei Duschen zur Verfügung.

Hinzu kommen vielfach Hygieneprobleme, zum Beispiel wenn der Müll nur sporadisch abgeholt wird und das einen Insektenbefall verursacht. »Unsere Berater:innen begegneten in ihrer Umfrage einzelnen Betriebsleitern, die rassistische Gründe als Vorwand für unzureichende Unterkunftsbedingungen anführten«, heißt es im Jahresbericht. So habe einer behauptet, die Menschen seien doch aus ihren Herkunftsländern »nichts Besseres« gewohnt und bei ihnen zu Hause sei es »noch schlimmer«.

»Wuchermieten für Unterkünfte sind in der Landwirtschaft zur Normalität geworden«, bilanziert die Initiative Faire Landarbeit (IFL) in ihrem jüngst veröffentlichten Jahresbericht für 2024.

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