Jungle+ Artikel 22.05.2025
Der Arbeitsbegriff von Herbert Marcuse

Wo liegt das Reich der Freiheit?

Für den Sammelband »Arbeit in der Kritischen Theorie« nehmen Ulf Bohmann und Tanja Hoss den Arbeitsbegriff von Herbert Marcuse in den Blick, den er in den dreißiger Jahren zu entwickeln begann und der fortan immer wieder in seinem Werk in Bezug auf die Hoffnung, Arbeit von der Entfremdung und Verdinglichung abzulösen, eine Rolle spielte.

I. Einleitung

Man lehnt sich gewiss nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn man behauptet, dass Herbert Marcuse unter den Vertretern der historischen Frankfurter Schule durch eine besondere Nähe zu politischem Aktivismus, radikaler Kritik und utopischem Denken heraussticht. Gerade im Zuge des ›Ereignisses 1968‹ mitsamt der Hochphase der Studenten- und aufkeimenden Ökologiebewegung übte sich Marcuse nicht gerade in vornehmer Zurückhaltung. Er avancierte alsbald mit zeitgenössisch populär werdenden Begriffen wie »große Weigerung«, »repressive Entsublimierung« oder »konkrete Utopie« zum Stichwortgeber der Bewegung. In der Öffentlichkeit galt er – mal bewundernd, mal skandalisierend – geradezu als deren ›Guru‹ und Teil der »drei gefährlichen M« Marx, Mao, Marcuse. Als zugleich psychoanalytisch und kapitalismuskritisch argumentierender Freudomarxist durch und durch passte Marcuse in der Tat gut in diesen Bewegungszusammenhang: Sein Aktivismus war mit einem gewissen »lack of theoretical constraint« verbunden, was ihm gewissermaßen die Freiheit zu einem im Kontext der Kritischen Theorie doch beachtlichen politischen Utopismus gab, wie Joel Whitebook es formulierte. Und auch in heutigen Theoriedebatten, 2019 bei Oliver Marchart, heißt es: »Nur bei Marcuse bestehen Chancen, dass wir auf der Suche nach einer Kritischen Theorie politischer Praxis fündig werden.«

In Abgrenzung zu Hegels philosophischem Arbeitsbegriff geht Marcuse davon aus, dass sich Arbeit nicht auf bestimmte Tätigkeiten beschränken lässt, sondern vielmehr als ontologischer Begriff bestimmt werden müsse.

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