22.05.2025
Über »Luminiscent Creatures« von Ichiko Aoba

Auf dem Meeresboden

Nachdem der japanischen Singer/Songwriterin Ichiko Aoba bereits mit dem Album »Windswept Adan« von 2020 der internationale Durchbruch gelungen war, wird ihr das glänzende »Luminescent Creatures«, mit dem sie zurzeit auf Welttournee ist, weitere Aufmerksamkeit bescheren.

Wie klingt das Leben am Meeresboden? Wie der Beatles-Song »Octopus’s Garden« von 1969? Wie das 1997 erschienene maritime Konzeptalbum »The Mollusk« von der Band Ween? Oder vielmehr so poetisch-entrückt wie auf der neuen LP »Luminescent Creatures« der japanischen Singer/Songwriterin Ichiko Aoba?

Geradezu impressionistisch wendet sie sich den Korallenriffs um die Ryūkyū-Inseln zu, die südlich der vier Hauptinseln Japans und nordöstlich Taiwans liegen. Vor allem die dortige selbstleuchtende, also biolumineszente Tier- und Pflanzenwelt mit ihren Seesternen, Quallen, Algen, Fischen und Mollusken hat es ihr ­angetan. Entsprechend erscheinen die Songs so schillernd und farbenfroh wie die Zeichentrick-Animationen des Studios Ghibli.

Die Songs erscheinen so schillernd und farbenfroh wie die Zeichentrick-Animationen des Studios Ghibli.

Und einem Titel wie »Luciférine« wohnt mitnichten etwas Diabolisches inne, sondern es geht um den so bezeichneten lichtbringenden Naturstoff, der durch Katalyse mit Sauerstoff, vermittelt durch Luciferasen genannte Enzyme, zum Beispiel das Glühen der Glühwürmchen erzeugt. Auch weitere Stücke wie »Sonar«, »Aurora«, »Cochlea« und »Coloratura« verweisen auf die Überflutung der Sinne, nicht nur der visuellen.

Dominiert mal von ihrem Hauptinstrument, der Akustikgitarre, und mal vom Klavier, bewegen sich die Kompositionen von Aoba und ihrem Mitstreiter Taro Umebayashi zwischen Opulenz (mit Streichern, Flöte und Harfe!) und Minimalismus. Stilistisch changiert sie wiederum zwischen leichtem Jazz, flächigerem Ambient und ­natürlich Folk, kombiniert mit ihrem gehauchten Gesang. Nachdem ihr bereits mit dem Album »Windswept Adan« von 2020 der internationale Durchbruch gelungen war, wird ihr das glänzende »Luminescent Creatures«, mit dem sie zurzeit auf Welttournee ist, weitere Aufmerksamkeit bescheren. Man könnte meinen, die Musik leuchtet aus sich selbst heraus.

Ichiko Aoba: Luminescent Creatures (­Hermine/Psychic Hotline)