Keine weiße Weste
Weiße Schrift auf schwarzem Grund kündigt das Unvorstellbare an: »Juni 2014. Die Jihadisten des sogenannten Islamischen Staats rufen die Errichtung eines Kalifats aus.« Massenhinrichtungen, Enthauptungen, Sklavenmärkte – der Schrecken des IS zu seiner Hochzeit ist selbst heute, mit ein paar Jahren Abstand, schwer zu begreifen.
Das Leben des Pariser Bauingenieurs Antoine (Félix Moati) könnte davon nicht weiter entfernt sein. Stellvertretend für seinen Vater leitet er das familieneigene Bauunternehmen. Mit seiner Partnerin, der Pilotin Lorraine (Julia Faure), plant er das erste gemeinsame Kind.
Doch es ist nicht alles so harmonisch: Einst half er gemeinsam mit seinem Vater bei der Abschiebung von Najib, einem iranischen Asylbewerber und der großen Liebe seiner Schwester Anna (Mélanie Thierry). Dass Najib der oppositionellen »Grünen Bewegung« angehörte, wollten die Männer nicht glauben. Nach seiner Abschiebung erwies sich das Mullah-Regime als weniger skeptisch: Es ließ Najib hinrichten. Anna brach daraufhin mit der Familie, einige Jahre später starb sie bei einem Anschlag in Kairo. Doch als Antoine glaubt, sie in einer Fernsehreportage über kurdische Freiheitskämpferinnen gegen den »Islamischen Staat« (IS) zu erkennen, fliegt er getrieben von Schuldgefühlen kurzerhand nach Syrien. Vielleicht lebt Anna ja doch – als Kämpferin der Frauenverteidigungseinheiten YPJ?
Die Einblicke in das System »Islamischer Staat« sind verstörend. Die bei Terroristen beliebte Droge Captagon ist dabei genauso Thema wie die Versklavung yezidischer Frauen und die Frage nach der Finanzierung des Terrorregimes.
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