Jungle+ Artikel 29.05.2025
Die Serie »Kampf um den Halbmond« kommt ohne Revolutionsromantik aus

Keine weiße Weste

Die Serie »Kampf um den Halbmond«, deren zweite Staffel nun erschienen ist, handelt vom Kampf der kurdischen Frauen gegen den IS. Der düstere Spionagethriller romantisiert das Leben in Rojava allerdings nicht, sondern zeigt geschickt moralische Dilemmata auf, die der Krieg gegen den Islamfaschismus mit sich bringt.

Weiße Schrift auf schwarzem Grund kündigt das Unvorstellbare an: »Juni 2014. Die Jihadisten des sogenannten Islamischen Staats rufen die Errichtung eines Kalifats aus.« Massenhinrichtungen, Enthauptungen, Sklavenmärkte – der Schrecken des IS zu seiner Hochzeit ist selbst heute, mit ein paar Jahren Abstand, schwer zu begreifen.

Das Leben des Pariser Bauingenieurs Antoine (Félix Moati) könnte davon nicht weiter entfernt sein. Stellvertretend für seinen Vater leitet er das familieneigene Bauunternehmen. Mit seiner Partnerin, der Pilotin Lorraine (Julia Faure), plant er das erste gemeinsame Kind.

Doch es ist nicht alles so harmonisch: Einst half er gemeinsam mit seinem Vater bei der Abschiebung von Najib, einem iranischen Asylbewerber und der großen Liebe seiner Schwester Anna (Mélanie Thierry). Dass Najib der oppositionellen »Grünen Bewegung« angehörte, wollten die Männer nicht glauben. Nach seiner Abschiebung erwies sich das Mullah-Regime als weniger skeptisch: Es ließ Najib hinrichten. Anna brach dar­aufhin mit der Familie, einige Jahre später starb sie bei einem Anschlag in Kairo. Doch als Antoine glaubt, sie in einer Fernsehreportage über kurdische Freiheitskämpferinnen gegen den »Islamischen Staat« (IS) zu erkennen, fliegt er getrieben von Schuldgefühlen kurzerhand nach Syrien. Vielleicht lebt Anna ja doch – als Kämpferin der Frauenverteidigungseinheiten YPJ?

Die Einblicke in das System »Islamischer Staat« sind verstörend. Die bei Terroristen beliebte Droge Captagon ist dabei genauso Thema wie die Versklavung yezidischer Frauen und die Frage nach der Finanzierung des Terrorregimes. 

Noch kein Abonnement?

Um diesen Inhalt zu lesen, wird ein Online-Abo benötigt::