Fangen wir mit einem Nachtrag an: Der vor rund drei Wochen in Schweden unter Spionageverdacht verhaftete hochrangige Diplomat und Mitarbeiter im Außenministerium hatte tatsächlich mit der internen Weitergabe von Nacktfotos des neu ernannten und umgehend wieder zurückgetretenen Nationalen Sicherheitsberaters Tobias Thyberg zu tun. Lange war der Diplomat allerdings nicht in Untersuchungshaft geblieben; weil laut den Behörden keine Fluchtgefahr bestand, wurde er fast umgehend wieder nach Hause entlassen. Dort brachte er sich um, und weil sich damit das Verfahren gegen ihn erledigt hat, wird sein Name auch nicht veröffentlicht – außer in schwedischen Foren, wo findige Internetdetektive aus den spärlichen Angaben in der Pressemitteilung zu seiner Verhaftung praktisch sofort seinen Namen, seine Adresse und seine Lebensumstände rekonstruierten
Die anstehende Enthüllung habe alles, was man sich von einem Spionage-Thriller wünscht: Lügen, Sex, Deep Fakes, Lästereien und Korruption.
Womit wir zu ganz anderen Spionen kommen, nämlich denen von der Einheit mit der Feldpostnummer 19155 des russischen Militärgeheimdienstes GRU (auf Englisch: Unit 19155). Sie werden, so deutete es der bulgarische Investigativjournalist Christo Grosew am vergangenen Wochenende in mehreren X-Postings an, bald enttarnt sein. Die anstehende Enthüllung habe »alles, was man sich von einem Spionage-Thriller wünscht«, schrieb er, »Lügen, Sex, Deep Fakes, Lästereien und Korruption. Wir werden ihre Gesichter zeigen – und die persönlichen Geheimnisse der Spione, die den Westen und die Ukraine hacken und sabotieren.«
Das klingt in der Tat spannend genug, um Grosews X-Account rund um die Uhr auf Neuigkeiten hin zu checken, zumal noch viel mehr versprochen wird: »Ich glaube nicht, dass irgendjemand in der geheimen Unit heute Nacht gut schlafen wird«, schrieb Grosew weiter. »Alle ihre Geheimnisse und Lügen, die Geheimnisse ihrer Bosse, ihrer Familien, nur ein Teaser: Die Hacker hackten ihre Vorgesetzten und einer von diesen Chefs hatte unter der Verwendung seiner Geheimidentität eine zweite Familie gegründet!« Grosew schloss mit den Worten: »Jungs, ich weiß, dass ihr dies hier lest, ich sah auf euren Laptops, dass ihr mir auf Twitter folgt.«