19.06.2025
Über »Noble and Godlike in Ruin« von Deerhoof

Nicht immer clever

Deerhoof veröffentlicht mit »Noble and Godlike in Ruin« sein mittlerweile 20. Album. Die Indierock-Band aus San Francisco erhebt den Stilbruch so sehr zum Konzept, das es schon fast wieder langweilig wird. Und vor Ideologie und Fake News scheint das Quartett keinesfalls gefeit.

Wie viele Songs werden hier eigentlich gerade gleichzeitig abgespielt? Diese Frage stellt man sich unweigerlich, wenn man »Noble and Godlike in Ruin«, das neue Album von Deerhoof, hört, denn das klingt wieder einmal herrlich durcheinander.

Die US-amerikanische Band hatte schon immer ein Faible für schrille Klangwelten und Experimente. Auf ihrem mittlerweile 20. Album verknüpft das Quartett beispielsweise kauzigen Noise-Rock mit Soundflächen, die nach einer Orgel klingen (»A Body of Mirrors«). Für die Band ist Verweigerung eine Formfrage: Sie widersetzt sich Erwartungen, Raum für Freejazz-Einsprengsel gibt es auch (»Who Do You Root For?«). In den besten Momenten klingen Deerhoof hier wie eine kantigere Version von Stereolab.

Deerhoof beherrschen das Spiel mit akustischen Gegensätzen: Satomi Matsuzakis manchmal meditativ und infantil klingender Gesang trifft häufig auf harte Riffs.

Deerhoof beherrschen das Spiel mit akustischen Gegensätzen: Satomi Matsuzakis manchmal meditativ und infantil klingender Gesang trifft häufig auf harte Riffs. Langweilig wird es also nicht.

Allerdings ist vieles auch zu überladen. Der Stilbruch wurde offensichtlich zum Konzept erhoben, so dass er irgendwann nicht mehr überrascht und seinen Reiz verliert. Dafür überzeugt das Finale »Immigrant Songs« mit rauschenden Feedbacks und einem Text, der Ausgrenzung und Ungerechtigkeit in den USA anprangert. Keine Frage, die Gruppe ist politisch.

Die Premiere des siebenminütigen Stücks fand auf der Klein­anzeigen-Website Craigslist statt. So wollten Deerhoof mächtige und kritikwürdige IT-Plattformen umgehen. Ziemlich clevere ­Sache, was auch für viele Einfälle auf dem Album gilt, allerdings nicht für das, was die Band ansonsten so macht: Sie unterstützt die antisemitische BDS-Kam­pagne, was den Eindruck erweckt, dass sie vor Ideologie und Fake News keinesfalls gefeit ist.


Albumcover

Deerhoof: Noble and Godlike in Ruin (Joyful Noise Recordings)