Dank an die Technik
Die Historikerin Martina Heßler sieht im Glauben an die Überlegenheit der Technologie dumme Überheblichkeit. Mit Wahrscheinlichkeitssoftware, »Künstliche Intelligenz« genannt, setzte der Investor Elon Musk die Kettensäge an die US-Behörden. So wurden Pandemieexperten während eines Ebola-Ausbruchs entlassen und Fachleute für Atomwaffensicherheit inmitten globaler Krisen gefeuert. Musk entschuldigte sich kleinlaut.
Mit Wahrscheinlichkeitssoftware, »Künstliche Intelligenz« genannt, setzte Elon Musk die Kettensäge an die US-Behörden. So wurden Pandemieexperten während eines Ebola-Ausbruchs entlassen und Fachleute für Atomwaffensicherheit inmitten globaler Krisen gefeuert.
»Sisyphos im Maschinenpark« lautet der Titel von Heßlers Buch über die Geschichte des Maschinenglaubens. In der Überzeugung, Technologie sei dem Menschen überlegen, erkennt Heßler »Technikchauvinismus«. Als unermüdliche Ingenieure versuchten die Menschen der Gegenwart, den Problemen ihrer hochtechnisierten Umwelt mit noch mehr Technologie zu begegnen.
Das maschinenchauvinistische Denkmuster schlich sich mit der Industrialisierung ein. Ab 1800 wurden Menschen als Störfaktor in an sich reibungslosen technischen Abläufen angesehen. Sie forderten Pausen und Urlaub. Geist und Körper seien einfach nicht gemacht für regelgeleitete Maschinenarbeit. Auch im Straßenverkehr, der als geordnet idealisiert wird, gilt der Mensch als Störfaktor.
Wenn Ingenieurssicht gesellschaftliches Zusammenleben dominiert
Nichts sollte das Auto bremsen, Assistenzsysteme wurden erdacht, um menschliches (Un-)Vermögen auszugleichen. Man glaubte, die Einhaltung der Verhaltensregeln im Verkehr durch Maschinen zu verbessern. So wie heute die chinesische Regierung mit Social Scoring Menschen auf Linie bringt.
Für solche maschinistischen Übergriffe auf den Menschen öffnet Marina Heßler den Blick. Mit einer Fülle an Beispielen und eleganter Gedankenführung sensibilisiert sie dafür, was unter die Räder kommt, wenn die Ingenieurssicht gesellschaftliches Zusammenleben dominiert.
Martina Heßler: Sisyphos im Maschinenraum. Eine Geschichte der Fehlbarkeit von Mensch und Technologie. C. H. Beck, München 2025. 297 Seiten, 32 Euro
