Jungle+ Artikel 10.07.2025
Die Turnerin Věra Čáslavská war eine Symbolfigur des Prager Frühlings

In stillem Protest

Věra Čáslavská war nicht nur siebenfache Olympiasiegerin im Kunstturnen, sondern wurde auch zur Symbolfigur des Prager Frühlings. Später war sie auch an der Samtenen Revolution 1989 beteiligt.

Die 1942 in Prag geborene Vera Čáslavská war wahrscheinlich die einflussreichste Turnerin der sechziger Jahre. Bei ihrem ersten internationalen Wettkampf, der Weltmeisterschaft 1958 in Moskau, gewann sie als Mitglied des tschechoslowakischen Teams die Silbermedaille. Im folgenden Jahr holte sie bei den Europameisterschaften in Krakau ihre erste Einzelgoldmedaille am Schwebe­balken.

1962 gewann sie bei der in Prag ausgetragenen Heim-WM ihr erstes Gold im Pferdesprung. Im Einzelmehrkampf unterlag sie lediglich der sowjetischen Turn-Legende Larissa Latynina. Bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokio katapultierte sich Čáslavská endgültig in die Weltspitze des Turnens: Sie wurde dreifache Olympiasiegerin, gewann den Einzelmehrkampf sowie die Disziplinen Schwebebalken und Sprung und hatte zudem wieder großen Anteil an der Silbermedaille der tschechoslowakischen Mannschaft.

Der nächste olympische Zyklus stand ganz in ihrem Zeichen: Zwischen 1964 und 1968 holte sie bei den großen internationalen Wettkämpfen insgesamt 19 Mal Einzelgold. Doch bald sollte ihre Laufbahn jäh abgebrochen werden.

»Wir Olympioniken waren die Einzigen, die der Welt während der sowjetischen Besatzung unsere Haltung demonstrieren konnten.« Věra Čáslavská rückblickend in einem Interview

Denn die Spitzensportlerin war eine unerschrockene Unterstützerin der tschechoslowakischen Bewegung gegen die sowjetische Herrschaft und gehörte im Frühjahr 1968 zu den ersten Unterzeichnerinnen des »Manifests der 2.000 Worte«. Dieses sprach sich während des sogenannten Prager Frühlings für die Weiterführung der politischen Reformen und den Demokratisierungsprozess aus.

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