17.07.2025
Das Ausmaß der Kriegsschäden an iranischen Atomanlagen ist umstritten

Schwerer Rückschlag

Das iranische Atomprogramm ist durch den Zwölftagekrieg Israels und der USA in Mitleidenschaft gezogen worden. Das Ausmaß der Schäden ist Gegenstand eines politischen Streits.

Nach dem Zwölftagekrieg Israels und der USA gegen den Iran feierten der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und der US-amerikanische Präsident Donald Trump ihren Sieg und priesen die Überlegenheit ihrer jeweiligen Luftwaffe. Das iranische Atomprogramm sei »zerstört«, so der israelische Ministerpräsident, beziehungsweise »vollständig ausgelöscht«, wie sich der US-Präsident ausdrückte. »Sie werden es nicht wiederaufnehmen«, behauptete Trump auf dem Nato-Gipfel am 25. Juni. Wenn doch, seien die USA zu einem erneuten Eingreifen bereit.

Der Iran wolle jetzt verhandeln, fügte Trump hinzu und ließ dabei erkennen, dass er sich gern bitten lassen würde. Denn tatsächlich sind es die USA und Israel, die nun die Gelegenheit nutzen möchten, um einen Verzicht des Iran auf seine Urananreicherung vertraglich zu fixieren. Israelischen Medien zufolge sollen US-Diplomaten dafür beträcht­liche Belohnungen in Aussicht gestellt haben. Das Regime in Teheran beharrt jedoch auf seinem vermeintlichen Recht, diese Technik anzuwenden.

Eine chemische Fabrik in Isfahan wurde zerstört, die zur Umwandlung angereicherten Urans in eine metallische Form diente, wie sie für Atombomben benötigt wird.

Wesentlich zurückhaltender äußerten sich westliche Geheimdienste über die Schäden, die den iranischen Atomanlagen zugefügt werden konnten. Möglicherweise sei das Programm nur um wenige Monate zurückgeworfen worden, meinte der Militärgeheimdienst der USA sehr zum Ärger von Verteidigungsminister Pete Hegseth. Um ein bis zwei Jahre, lautete später die Schätzung des Pentagon. Extrem verzögert, meinte Nicolas Lerner, der Generaldirektor des französischen Auslandsgeheimdiensts.

Diese Einschätzungen sind vorläufig, da bisher niemand weiß, wie es in den unterirdischen Anlagen von Natanz, Fordo und Isfahan aussieht. Deren Eingänge waren kurz vor den Bombardements mit Erdreich verschlossen worden, auch die iranischen Betreiber müssen sie erst wieder zugänglich machen.

Die bisherigen Erkenntnisse basieren auf der Auswertung von Satellitenfotos und dem Abhören iranischer Telefongespräche. Demnach scheint einigermaßen sicher zu sein, dass die überirdisch angelegten Einrichtungen des Nuklearkomplexes, die vornehmlich Israel bombardiert hatte – Fabriken, Labore, Forschungsinstitute und Transportlogistik –, dem Erdboden gleichgemacht wurden.

Zerstörung des Schwerwasserreaktors Khondab

Dazu zählt vor allem eine chemische Fabrik in Isfahan zur Umwandlung angereicherten Urans in eine metallische Form, wie sie für Atombomben benötigt wird. Sie wurde auch von US-Marschflugkörpern getroffen. Um ein Atomwaffenprogramm wiederaufzunehmen, müsste diese Anlage neu aufgebaut werden – es sei denn, der Iran hätte vorsorglich eine weitere solche Fabrik gebaut, ohne dies bekanntzugeben und ohne dass westliche Geheimdienste davon erfahren hätten.

Ähnlich bedeutsam ist die Zerstörung des Schwerwasserreaktors Khondab. Der früher als Reaktor von Arak oder IR-40 bezeichnete Meiler war noch nicht fertiggestellt und enthielt keinen nuklearen Brennstoff. Er hätte sich besonders gut für die Produktion von Waffenplutonium und von Tritium geeignet. Noch schwerer wiegt der Verlust von 16 Atomingenieuren und Wissenschaftlern durch Geheimdienstaktionen gleich zu Beginn des Kriegs.

Israel hatte sie als Nachfolger des Kernphysikers Mohsen Fakhrizadeh eingestuft, der als Vater des iranischen Atomprogramms gilt; er war bereits im November 2020 Opfer eines Attentats geworden. Die physikalischen Institute der Shahid-Beheshti-Universität und der Imam-Hossein-Universität, an denen sie gearbeitet hatten, wurden demoliert.

Zustand der großen Urananreicherungsanlagen in Natanz und Fordo

Das öffentliche Interesse gilt vor allem dem Zustand der großen Urananreicherungsanlagen in Natanz und Fordo. Die überirdische Pilotanlage in Natanz dürfte das israelische Bombardement nicht überstanden haben. Gegen die unterirdischen Zentrifugenhallen von Fordo und Natanz setzte die US-Luftwaffe in der Nacht vom 21. auf den 22. Juni bunkerbrechende Bomben ein, zwölf auf Fordo und zwei auf Natanz.

Die Löcher, die sie in das Felsgestein bohrten, sind auf Satellitenbildern zu erkennen. Fraglich ist, ob die darunter liegenden Tunnel tatsächlich zum Einsturz gebracht wurden. Selbst wenn das nicht der Fall gewesen ist, dürften die empfindlichen Geräte der Nukleartechnik durch die erdbeben­artigen Erschütterungen schwer beschädigt worden sein.

Der deutsche Experte, der sich in solchen Fragen am besten auskennt, trägt derweil demonstrativ andere Interessen zur Schau: Martin Herrenknecht, Gründer und Leiter des nach ihm benannten baden-württembergischen Unternehmens für Tunnelbaumaschinen, traf sich in diesen Tagen mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, um in dessen Bundesland eine Geothermie-Baustelle zu besichtigen.

Verbleib von über 400 Kilogramm hochangereicherten Urans

Herrenknecht ist seit Jahren Vorstandsmitglied im Nah- und Mittelost-Verein (Numov e.V.), in dem sich die Iran-Lobby ein Stelldichein gibt. Vor zehn Jahren dementierte er eine Beteiligung am Bau von Fordo, so dass man weiter rätseln muss, welche anderen Tunnelvortriebsmaschinen – außer deutschen und US-amerikanischen – es überhaupt gibt, die der Iran zu diesem Zweck benutzt haben könnte.

Nach wie vor unbekannt ist der Verbleib von über 400 Kilogramm hochangereicherten Urans, das hauptsächlich in Fordo lagerte. Mitarbeiter der Internationalen Agentur für Atomenergie hatten das Material noch in der ersten Juniwoche inspiziert. Unmittelbar vor Kriegsbeginn erhielt der Generaldirektor der IAEA, Rafael Grossi, dann eine offizielle Mitteilung aus Teheran, wonach der Bestand in Sicherheit gebracht worden sei. Trump will sich seinen Triumph nicht vermiesen lassen. Er bezweifelt energisch, dass ein Transfer in so kurzer Zeit möglich gewesen wäre.

Das iranische Regime lässt sich nicht mehr in die Karten schauen. Nach einem entsprechenden Beschluss des iranischen Pseudoparlaments, hat Präsident Masoud Pezeshkian die Zusammenarbeit mit der IAEA komplett ausgesetzt.

Die 400 Kilogramm sind zu 60 Prozent mit dem spaltbaren Isotop U-235 angereichert. Eine relativ kleine, unauffällige Anreicherungsanlage könnten sie in kurzer Zeit in waffenfähiges Uran verwandeln. Wenn das geschieht, wäre die nukleare Bedrohung Israels nicht nur nicht beseitigt, sie würde sogar zunehmen. Dazu müsste der Iran allerdings eine Reserve an Geräten vorgehalten haben. Die Zentrifugenfabrik liegt ebenfalls in Trümmern.

Das iranische Regime lässt sich nicht mehr in die Karten schauen. Nach einem entsprechenden Beschluss des Majles, des iranischen Pseudoparlaments, hat Präsident Masoud Pezeshkian die Zusammenarbeit mit der IAEA komplett ausgesetzt – ein weiterer, möglicherweise entscheidender Verstoß gegen den Atomwaffensperrvertrag. Denn ohne die Kontrollen durch die IAEA wäre der Sperrvertrag nur noch ein förmliches Versprechen.