Jungle+ Artikel 17.07.2025
Die Clubszene der frühen Goth-Bewegung

Floorshow: Eine Nacht im Club

Goth, die »Kunst der Dunkelheit«, entwickelte sich in Großbritannien als Jugendkultur parallel zum Post-Punk ab den späten siebziger Jahren. Sexuelle Freizügigkeit und Gender-Bending waren die bestimmenden Faktoren der Bewegung, die mit einem extravaganten Dresscode und einer neuen Musik zwischen Punk und Techno einherging. Der Journalist John Robb hat nun mit »Goth. Die dunkle Seite des Punk« ein Grundlagenwerk über die Szene veröffentlicht und nimmt seine Leserinnen und Leser im ersten Kapitel mit zu einer Party in den Goth-Club.

An einem langweiligen Abend in einer vergessenen Stadt klackerten bei düsterem Wetter spitze Absätze und Kampfstiefel auf dem feuchten Pflaster, das sich nun in einen Laufsteg verwandelte. Das widerspenstige Haar hochtoupiert, dazu die »fifty shades of black« des Goth-Looks und wallende Mäntel, die das exotisch-erotische Outfit dar­unter verbargen. So geschützt vor der feuchten, nächtlichen Kälte und bierseligen Schlägertypen klackerte das Goth-Paar durch die postindustrielle Kulisse. Gestärkt durch das rituelle Vorglühen in der Studentenbude und ihre mächtige Kleiderrüstung klirrten sie vor Schmuck und freudiger Erwartung.

Bei ihrer unterirdischen Zuflucht angekommen, stiegen sie die Treppe hinunter und tauchten ein in die dunkle Dezibelwelt. Ein paar gestylte Freaks saßen hinter einem Tisch und kassierten von ihnen die 50 Pence Eintritt, bevor sie das verrauchte, pulsierende Labyrinth betraten. Der Name des Clubs war mit billiger roter und schwarzer Farbe an eine Wand gesprüht, die von Nikotin und eindringender Feuchtigkeit verfärbt war. An der Decke hingen Neonröhren wie im Arbeitsamt, die aus den Boxen dröhnende Death-Disco erfüllte einen Raum voller wandelnder Kunstwerke, Sex-Beat-Kadaver und Goth-Pioniere.

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