Die Rache der Clans
Am 2. Juli gab das Innenministerium der Hamas im Gaza-Streifen eine Mitteilung heraus, der zufolge ein Mann namens Yasser Abu Shabab zehn Tage Zeit habe, um sich zu stellen. Ihm werden Hochverrat, Kollaboration mit einer feindlichen Entität, die Formierung einer bewaffneten Bande und Rebellion vorgeworfen. Jede Person müsse zu seiner Ergreifung beitragen, wer Abu Shababs Aufenthalt kenne und es versäume, der Hamas dies mitzuteilen, mache sich strafbar.
Am 6. Juli setzte eine Stellungnahme der »gemeinsamen Operationszentrale der palästinensischen Widerstandsfraktionen« – ein Zusammenschluss von zwölf palästinensischen Terrororganisationen in Gaza – noch eins oben drauf: Der »Söldner-Verräter« Abu Shabab werde »keine Gnade« erhalten, diejenigen, die seinem Weg »der Unterstützung der Besatzung« folgten, würden dasselbe Schicksal erleiden.
Die Sahm-Einheit der Hamas, zuständig für die Verfolgung von »Kollaborateuren«, hat bereits mehrfach versucht, Yasser Abu Shabab, den Anführer der Anti-Hamas-Miliz Popular Forces, zu töten.
Innerhalb eines Monats ist dieser bis dahin kaum namhafte Anführer einer Miliz namens Popular Forces zum bekanntesten bewaffneten Widersacher der Hamas in Gaza geworden, an ihm soll wegen seiner Kooperation mit der israelischen Armee ein Exempel statuiert werden. Die Sahm (Arabisch für »Pfeil«) genannte Einheit der Hamas, zuständig für die Verfolgung von »Kollaborateuren«, hat ihn bereits mehrfach zu töten versucht, bislang jedoch ohne Erfolg.
Abu Shabab ist womöglich der prominenteste Herausforderer der Hamas in Gaza, doch ist er keineswegs der einzige. In den vergangenen Wochen sind immer häufiger Bewaffnete in Gaza aufgetaucht, die sich als Feinde der Hamas sehen; häufig organisieren sie sich in Form von Milizen rund um lokale Großfamilien.
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