Das Proletariat spricht mit einer Stimme
Es war die Wahl Ernst Thälmanns zum KPD-Vorsitzenden vor 100 Jahren, die den Beginn der Stalinisierung der Partei markierte. Mit Thälmann ordnete sich die KPD gänzlich der sowjetischen Führung in Moskau unter. Dafür stand er unter besonderem Schutz. Sogar die sogenannte Wittorf-Affäre konnte er 1928 überstehen: Sein enger Freund John Wittorf, ein führender KPD-Politiker in Hamburg, hatte Parteigelder unterschlagen. Als eine linkskommunistische Zeitung den Skandal aufdeckte, musste Thälmann einräumen, schon zuvor davon gewusst zu haben.
Thälmann blieb bis zu seiner Verhaftung durch die Nazis im Jahr 1933 und damit länger als alle Vorgänger:innen im Amt. Rosa Luxemburg, die führende Persönlichkeit auf dem Gründungsparteitag der KPD über den Jahreswechsel 1918/19, war zwei Wochen später, am 15. Januar 1919, ermordet worden. Danach übernahm Leo Jogiches die Parteileitung, doch schon im März 1919 wurde auch er ermordet. Auf Jogiches folgte Paul Levi, der 1921 zurücktrat und bald darauf aus der Partei ausgeschlossen wurde. Andere Vorsitzende wie Heinrich Brandler oder Ruth Fischer ereilte im Zuge der stalinistischen »Säuberungen« zwischen 1926 und 1929 das gleiche Schicksal. Allein im Jahr 1929 wurden rund 6.000 sogenannte »Rechtsabweichler« aus der Partei geworfen.
»Parteidiktatur ist Bureaukratenherrschaft, ist Despotie, ist Staatskapitalismus, ist schlimmere Ausbeutung und Knechtschaft.« Otto Rühle, 1921
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