»Deutschsprachige Gangsta-Rapper wollen eigentlich so sein, wie sie ›die Rothschilds‹ wahrnehmen«
Worum geht es in Ihrem Projekt?
In meinem Buch arbeite ich die unterschiedlichen Dimensionen des Antisemitismus im Rap heraus. Im Mittelpunkt steht die Frage, warum antisemitische Inhalte ausgerechnet im deutschen Gangsta-Rap so deutlich zutage treten. Dafür schaue ich mir die Erzählfiguren und den narrativen Rahmen des Gangsta-Rap an und beleuchte die Geschichte des Rap – schließlich handelt es sich beim Antisemitismus im Rap um einen Traditionsstrang, der bis in die Anfänge des US-amerikanischen HipHop zurückreicht.
Sind Sie dabei auf Überraschungen gestoßen?
Ich wusste bereits, dass im US-amerikanischen Kontext schon sehr viele Motive auftauchen, die dann im deutschen Gangsta-Rap aufgegriffen und weiterentwickelt wurden. Wie wirkmächtig die Entwicklungsgeschichte des Rap in den USA für heutige Diskurse über Antisemitismus in populärer Musik ist, wurde mir aber erst im Laufe der Untersuchung klar.
HipHop war ja in seinen Anfängen eine Jugendbewegung von Menschen, die einer gesellschaftlich tief verankerten rassistischen und ökonomischen Ausgrenzung ausgesetzt waren. Die überwiegend schwarzen Jugendlichen und jungen Erwachsenen hatten das Gefühl, dass es eine politische Klasse gibt, die gegen sie agiert – es waren ja auch tatsächliche sozialpolitische Bedingungen, die dazu geführt haben, dass diese jungen Menschen in Großstadt-Ghettos abgedrängt wurden und mit tiefgreifenden Krisen und Herausforderungen konfrontiert waren wie der Crack-Epidemie, HIV, Gewalt und Bandenkriminalität. Aus all dem resultierte ein Bedürfnis nach einfachen Erklärungen und alternativen Erzählungen – und eine allgemeine Medien- und Elitenskepsis.
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